Sané-debatte: nagelsmann verteidigt fleiß, kumberger fordert mehr

Darmstadt. Nach dem deutlichen Sieg gegen Curacao steht der Wind für Leroy Sané nicht ganz günstig. Während Julian Nagelsmann seinen Schützling überschwänglich lobt, äußert sich sein Kollege Stefan Kumberger kritischer – und wirft einen Blick auf die Taktik des Bayern-Trainers Vincent Kompany.

Nagelsmann schwärmt von sanés einsatzbereitschaft

Die Diskussion um Leroy Sané brodelte bereits vor dem Spiel gegen Curacao, und der Kantersieg hat die Gemüter nicht unbedingt beruhigt. Obwohl Sané nicht herausragende Leistungen zeigte, ließ Bundestrainer Nagelsmann auf der Pressekonferenz keine Zweifel daran, dass er von seinem Spieler überzeugt ist. „Bei Leroy ist erstmal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert im Spiel. Er hat sehr viel investiert, er war fleißig in allen Umschaltsituationen. Er war viel dabei, offensiv wie defensiv“, erklärte Nagelsmann. Die Worte klingen schmeichelhaft, doch sie werfen auch die Frage auf, ob Fleiß tatsächlich die alleinige Maßgabe für einen Nationalspieler sein kann.

Kumberger: Sané braucht mehr als nur Laufbereitschaft

Sport1-Chefreporter Stefan Kumberger sieht die Sache differenzierter. „Er hat versucht, getan und gemacht. Er hat wirklich ein Fleißbildchen verdient. Das allein kann aber nicht die Maßgabe sein“, so Kumberger im „Die WM-Kabine“-Podcast. Er fordert, dass Nagelsmann mehr von Sané einfordert und nicht nur das Positive sucht. Die Loyalität des Bundestrainers gegenüber Sané ist unbestritten, doch wie lange kann er diese bedingungslose Unterstützung aufrechterhalten, wenn die Leistungen weiterhin ausbleiben?

Ein möglicher Grund für Nagelsmanns Verhalten könnte die Mentalität von Sané selbst sein. Der Offensivspieler scheint das volle Vertrauen seines Trainers zu benötigen, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. Hier zeigt sich Parallelen zu Vincent Kompany, der als Bayern-Trainer während der gesamten vergangenen Saison auf jegliche Kritik an seinen Spielern verzichtete – mit überraschendem Erfolg.

Wechsel unwahrscheinlich, aber alternativen vorhanden

Wechsel unwahrscheinlich, aber alternativen vorhanden

Ob Nagelsmann ebenfalls in diese Richtung denkt, bleibt abzuwarten. Sport1-Reporter Manfred Sedlbauer schließt einen Sané-Wechsel jedoch vorerst aus. „Du musst das Leistungsprinzip anwenden. Wenn Deniz Undav wiederum in einer solchen Form ist, dann sollte man das nutzen und vielleicht sogar die Formation ändern“, so Sedlbauer. Im Kader stehen zwar Alternativen wie Maxi Beier, Assan Ouedraogo und Jamie Leweling, doch ein grundlegender Umbruch der Aufstellung scheint unwahrscheinlich.

Die Debatte um Leroy Sané und weitere spannende Themen rund um die deutsche Nationalmannschaft können Sie in der neuesten Ausgabe des Sport1-Podcasts „Die WM-Kabine“ mit DFB-Reporter Manfred Sedlbauer und Chefreporter Stefan Kumberger hören. Die Frage bleibt, ob Sané seine Form finden kann oder ob Nagelsmann gezwungen sein wird, eine neue Strategie zu verfolgen – und ob diese dann zum Erfolg führen wird.