Sané trotz form-tief: nagelsmanns leistungsprinzip gerät ins wanken
Julian Nagelsmann predigt seit Wochen das Leistungsprinzip – doch seine Nominierung von Leroy Sané lässt das eigene Credo bröckeln. Die Diskussion darüber, ob ein Außenseiter mit nur 45 Minuten Spielpraxis seit Februar wirklich die Nationalmannschaft verdient, entzündet sich erneut.

Warum genau sané die kritik auf sich zieht
Valentina Maceri und Marcel Reif schaufeln in „Reif ist live“ kräftig nach. Ihr Befund: Sanés letzte Saisonleistung bei Bayern München lesen sich wie ein Lehrbuch für „unvollendetes Potenzial“. Drei Tore, zwei Vorlagen – Zahlen, die selbst im Pokal gegen Dorstener Kreisligisten kaum Eindruck schinden würden. Und doch steht der 29-Jährige im Kader für die Länderspiele gegen Frankreich und die Niederlande.
Das Dilemma: Nagelsmann hatte sich nach der EM-Blamage auf harte und klare Regeln verständigt. Leistung bestimmt den Platz. Doch Leistung ist eben nicht nur Tore und Assists, sondern auch Spielzeit, Intensität, Zweikampfquote – Kategorien, in denen Sané in dieser Rückrheinfolge durchfällt. Reif spricht es offen aus: „Wenn du sagst ,Leistung zählt‘, kannst du nicht einen Spieler nehmen, der seit Wochen nur Bank wärmt.“
Nagelsmanns Antwort in der Pressekonferenz klingt wie ein Seitenhieb gegen die medialen Fragenkataloge: „Ich schaue auf Trainingsdaten, auf GPS-Werte, auf die Art, wie er defensive Aufgaben löst.“ Klingt nach Expertenwissen – oder nach Nachhilfe in Sachen Rechtfertigung. Denn die Zahl, die wirklich zählt, steht auf der Anzeigetafel: 0,38 Torbeteiligungen pro 90 Minuten in 2026. Bei einem Offensivspieler.
Intern signalisiert der Bundestrainer trotzdem Haltung. Sané habe in der vergangenen WM noch bewiesen, „dass er Spiele mit einem einzigen Dribbling öffnen kann“. Das Argument zieht in der Talkrunde nicht. Maceri kontert mit dem Hinweis auf Florian Wirtz und Jamal Musiala, die beide eine ähnliche Dribbelstärke besitzen – und zusätzlich Torgefahr, Spielübersicht, Defensivarbeit.
Der große Unterschied: Während Sané die letzten Monate mit physiotherapeutischen Kleinkriegen verbrachte, haben Wirtz und Musiala kontinuierlich gespielt, gepunktet, sich durchgebissen. Genau das Leistungsprinzip also, das Nagelsmann predigt.
Die Folge: Die Kabine beobachtet. Jeder Profi kennt die unausgesprochene Regel – wenn der Bundestrainer Exceptions macht, muss der Rest noch härmer arbeiten, um dieselbe Chance zu erhalten. Das kann teambildend sein – oder Spannungen schüren. Die nächsten Tage im Camp in Herzogenaurach werden zeigen, ob Sané mit Toren antwortet oder ob die Debatte weiter an ihm nagt.
Fakt bleibt: Gegen Frankreich am Freitag hat Sané 90 Minuten, um die Zweifler zu verstummen zu bringen. Sonst wird Nagelsmanns Leistungsprinzip zur leeren Worthülse – und die nächste Nominierung noch schwieriger zu erklären sein.
