Rummenigge schlägt alarm: atalanta ist kein glückskind – es ist ein faustschlag
Karl-Heinz Rummenigge sitzt am Dienstag nicht in der VIP-Loge von Bergamo. Er sitzt vor seinem Fernseher, schaltet ein – und schaltet sofort auf Warnung. „Ich habe schon alles gesehen“, sagt er der Gazzetta, doch was er 1985 in diesem Stadion erlebte, vergessen die Knie des 70-Jährigen nie mehr: 1:2, Platzverhöhnung, Atalanta-Tag.
Die 85er-blamage steckt noch in den knochen
Inter kam damals als großer Bruder, ging als lebendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man den kleinen Klub aus der Provinz für einen netten Nebendarstellern hält. Rummenigge erzielte zwar den Ehrentreffer per Strafstoß, doch das war nur das Pflaster auf einer offenen Wunde. „Es war kein leichtes Spiel, selbst zu meiner Zeit nicht – vor allem nicht in ihrem Stadion.“ Der Satz klingt heute wie ein Manuskript für Vincent Kompany, der morgen genau diesen Fehler vermeiden muss.
Denn Bergamo ist nicht mehr nur die Stadt der Treppensteiger und Textilfabriken. Seit dem Europapokal-Sieg 2024 ist Atalanta ein Monster, das sich in der ChampionsLeague von selbst füttert. Leverkusen wurde im Finale weggespült wie ein Testspielgegner, der BVB in der Play-off-Runde mit 4:1 weggeschossen, nachdem Deutschland schon den Einzug sicher wähnte. „Völlig verdient“, sagt Rummenigge, und man hört, dass er das Spiel gesehen hat, nicht nur das Ergebnis.

Manchester city und real madrid sind bereits auf der warnliste
Die Liste der Leichen ist lang: Pep Guardiolas Team schied gegen Bodö/Glimt aus, Inter folgte, Dortmund musste nach Hause. Alle hatten mehr Ballbesitz, alle hatten mehr Stars, keiner hatte eine Antwort auf den kollektiven Rasenmäher, den Gian Piero Gasperini trainiert. „Wichtig ist, nicht denselben Fehler zu machen wie so viele andere große Klubs“, sagt Rummenigge. Der Satz klingt wie ein Vermächtnis.
Bayern reist mit dem besten Angriff Europas, mit Harry Kane, Jamal Musiala, Leroy Sané – doch das war Liverpool 2020 auch, bevor Atalanta sie in Bergamo mit 2:0 abschoss. Die Tore fielen in der 60. und 64. Minute, als die Gäste gerade dachten, der Gegner sei müde. Was niemand rechnet, ist die zweite Halbzeit von Atalanta, die beginnt, wenn die Gegner glauben, schon gewonnen zu haben.
Rummenigge weiß, dass München am 18. März im Allianz Arena das Rückspiel hat. Doch wer das Hinspiel verschenkt, muss danach nicht nur Tore schießen, sondern auch die eigene Angst überwinden. „Solche Spiele gibt es nicht mehr“, sagt er. Gemeint ist: Solche Spiele, in denen der Favorit aufwacht und merkt, dass der Underdog längst seine Handschuhe ausgezogen hat.
Er wird zuhause sitzen, die Hand auf der Fernbedienung, bereit, die Bayern anzufeuern – und bereit, wieder zu warnen. Denn Atalanta ist kein Underdog. Atalanta ist ein Faustschlag, der kommt, wenn man gerade gähnt.
