Rueda entzaubert lyon und träumt laut: celta soll europas nächstes sein

Javi Rueda trägt derzeit zwei Nummern im Rücken: die 14 und die 23. Die erste steht für sein Trikot, die zweite für die Millionen-Pixel, die sein Doppelpack gegen Lyon durch WhatsApp-Gruppen und soziale Netzwerke jagten. „Ein Coco andante“, nennt er Trainer Claudio Giráldez – einen laufenden Nussknacker, der ihm die Büchse Premier League aufstemmte.

Der 23-Jährige lacht nicht, wenn er das sagt. Er wischt sich die Haare aus der Stirn, als wolle er die letzten Tage wegfrisieren: 0:3 zu Hause gegen Alavés, 3:2 auswärts in Lyon. Der Knacks und der Kicks. „Wir haben uns selbst analysiert“, sagt er, „und festgestellt: In LaLiga bestraft dich jeder, wenn du nur eine Sekunde nachlässt.“

Die frage der heim- und auswärts-seele

Die Statistik klingt wie ein Witz mit schlechtem Timing: Celta ist Dritter der Auswärtstabelle – und Vierletzter der Heimtabelle. Warum? Rueda zuckt mit den Schultern. „Unsere Fans sind laut, Radu macht den Handstand, wenn wir gewinnen. Trotzdem schießen wir uns manchmal ins eigene Bein.“ Er spricht von „lernfähig“, nicht von „Heimfluch“. Die Lösung: „Erstes Tor früher machen, dann wird Balaídos zur Festung.“

Seine Karriere liest sich wie ein Selbstversuch in Stückeln. Drei Schritte für eine Stufe, sagt er, „damit weiß ich, dass ich jeden Meter verdiene“. Beim Blick auf den Spielplan glüht seine Stimme: „Warum nicht nochmal Lyon? Oder Liverpool? Wir sind jung genug, um zu glauben, und alt genug, um zu wissen, dass Glück Arbeit heißt.“

Aspas, das lebende lehrbuch

Aspas, das lebende lehrbuch

Wenn Rueda von Iago Aspas spricht, vergisst er die Interviewer-Regel, kurz zu antworten. „Iago trägt 36 Jahre wie ein 18-jähriges Ego“, schwärmt er. „Kein Tag ohne Feuer. Wenn er nach dem Training noch 20 Ballrollungen macht, bleibe ich 21.“ Der Doppeltorschütze wird zum Jungen neben dem Idol. „Ich schaue ihn an wie einen Spiegel, der nie blind wird.“

Vertrag bis 2029? „Papier trocknet schnell“, sagt Rueda, „wichtig ist, dass meine Familie hier glücklich ist und ich morgens Lust habe, zur Ciudad Deportiva zu fahren.“ Für den Moment reicht ihm der Blick auf den Kalender: April, Mai, vielleicht ein Finale im Mai. „Wir haben nichts zu verlieren, außer eben doch – die Illusion. Und die lassen wir nicht los.“

Die Saison ist sein persönlicher Euro-Pass, geprägt vom Stempel „Lyon 2:1“. Wenn er durch den Flur läuft, zitiert Giráldez Spanisch-Deutsch: „Weiter so, Coco.“ Rueda grinst. Die Nuss ist noch nicht geknackt – aber der Schale sind bereits zwei Teile abgebrocken.