Moise kean jagt italiens ewige torschützenkönige – trotz florentiner tief

Neun Treffer für eine sinkende Fiorentina, dabei schießt Moise Kean die Nazionale mit sieben Toren in fünf Länderspielen Richtung EM. Der Zwiespalt des Stürmers ist die Geschichte des italienischen Fußballs 2026: Vereinskrise trifft Nationalheld.

Die florentinische schieflage

In der Artemio-Franchi herrscht Mittelmaß. Die Viola taumelt auf Platz 14, Kean versenkt nur noch jedes vierte seiner xG-Werte. Die Zahlen sind gnadenlos: Zwölf erwartete Tore, neun echte – ein Minus, das ihn im vereinseigenen Analytics-Dashboard rot anlaufen lässt. Die Laufwege wirken statisch, die Dribblings vorhersagbar. Kean selbst spricht von „zu vielen Gedanken“, doch hinter den Kulissen murrt es über mangelnde Gegenpresse und ein gestörtes Raum-Zeit-Gefühl.

Trainer Italiano probierte ihn links, rechts, als alleinige Spitze – nichts stabilisiert die Form. Die Statistikagentur Deltatre listet 37 Prozent seiner Ballverluste im letzten Drittel, ein Wert, der ihn in die unteren 15 Prozent aller Serie-A-Angreifer rückt. Trotzdem: In Coverciano klickt alz.

Nationalmannschaft als reparaturbetrieb

Nationalmannschaft als reparaturbetrieb

Spalletti setzt ihn zentral, mit Doppel-10 hinter sich. Das System erzeugt Überzahlsituationen im Halbraum – Keans Lieblingszone. Sein Tor gegen Nordirland entstand aus einem diagonalen Lauf zwischen Linksverteidiger und Innenverteidiger, ein Muster, das Spalletti vom Italia-Azerbaijan-Testspiel (4-0) übernahm. Die Folge: fünf Pflichtspieltore in Serie, eine Marke, die zuletzt Totò Schillaci 1990 auflegte.

Der Vergleich ist kein Zufall. Schillaci schoss sich auf Weltbühne in die Geschichtsbücher, Kean schreibt bislang nur Qualifikationsmärchen. Doch das Tempo stimmt: Bei elf Einsätzen pro Kalenderjahr würde er 2028 Riva’s 35-Tor-Rekord bedrohen. Die Mathematik ist simpel: 0,48 Treffer pro Spiel addieren sich, wenn Spalletti ihn weiter aufläuft.

Zenica als nächste stufe

Zenica als nächste stufe

Am Dienstag in Zenica wartet Bosnien-Herzegowina. Das Stadion Bilino Polje ist ein Kessel, in dem Italiens Angreifer sonst leise werden. Kean aber liebt den Rasen dort – 2021 traf er im U-21-Finale gegen Deutschland, damals noch als turbo-schneller Außenbahnspieler. Nun soll er die Sechserkette zerfetzen. Spalletti plant eine 3-4-2-1, Kean wird zwischen die IV-Blöcke schieben, um die Hintermannschaft zu dehnen. Ein Tor und er überholt Schillaci’s Serie, zwei Tore und er schließt auf Baggio auf.

Die Fans in Vercelli haben schon Spruchbänder geliefert: „Kean, von hier bis zum Himmel der Nazionale“. Die Ironie: In seiner Heimatstadt glaubt man eher an seine Nationalelf-Zukunft als an die Fiorentina-Präsent. Das sagt alles über den Zustand des Klubs – und alles über den Zustand des Stürmers.

Florenza wird ihn wohl behalten müssen, denn die Ablöse-Klausel (45 Mio.) wirkt nach 15 Liga-Treffern wie ein Satz aus vergangenen Tagen. Aber wenn Kean in Zenica trifft, schlägt die Stunde der Azzurri. Dann zählt nur noch das blaue Trikot – und die Jagd auf Riva’s ewige 35.