Rüdigers kniemoment: absicht oder härte? jetzt spricht er
Das Bild ging um die Welt: Antonio Rüdiger springt mit dem Knie auf den am Boden liegenden Diego Rico. Blut, Geschrei, Anschuldigungen. Jetzt, 48 Stunden vor dem City-Knaller, bricht Rüdiger sein Schweigen.
„Ich wollte ihm nie wehtun“
Der deutsche Nationalspieler sitzt im Medienraum von Valdebebas, die Stimme ruhig, fast monoton. „Wenn man die Bilder in Zeitlupe sieht, wirkt es schlimm. Aber im Spiel ist alles schneller, dichter, dreckiger.“ Rico hatte ihm Mordabsicht vorgeworfen, Rüdiger lässt die Schultern hängen. „Ich habe nach dem Spiel mit ihm gesprocuben. Er war sauer, ich verstehe das. Aber ich spiele hart, nicht gemein.“
Der Schiedsrichter ließ weiterlaufen, der VAR blieb stumm. Eine Tatsache, die Rico noch heute aus der Fassung bringt: „Wäre es umgekehrt, ich wäre für zehn Spiele weg“, sagt er im spanischen Radio. Die Zahlen sprechen gegen ihn: Rüdiger hat in dieser Saison erst eine Gelbe Karte, Rico sieben. Wer hier die Grenze überschreitet, liegt im Auge des Betrachters.

Real vor dem stadtduell: 3:0, aber vorsicht
Morgen Abend steht das Rückspiel gegen Manchester City an. Ein 3:0 aus dem Hinspiel klingt wie eine Einladung zur Feier, Rüdiger aber kennt die britische Gefahr. „Ich habe mit Chelsea und mit Real gegen City gespielt. Sie sind wie ein guter Whisky: je länger das Spiel dauert, desto besser werden sie.“
Die Statistik bestätigt seine Warnung: In den letzten fünf Duellen zwischen Real und City fielen 17 Tore, keines der Spiele endete torlos. Der Deutsche ist es leid, sich gegen englische Klubs rechtfertigen zu müssen. „Wir haben die Champions League gewonnen, wir wissen, wie man sie spielt. Aber wir müssen sie auch verteidigen.“
Am Dienstag um 21 Uhr steht er wieder in der Abwehrzentrale. Keine Zeit für Selbstzweifel, keine Zeit für Rückwärtsgewandtheit. Die Knie werden wieder fliegen, die Zweikämpfe werden laut werden. Ob Rico ihm verziehen hat? Rüdiger zuckt mit den Achseln. „Fußball ist kein Kindergarten, er wird mich wieder sehen.“ Dann steht er auf, zieht die Kappe tiefer und verschwindet Richtung Training. Die Stadt Manchester wartet, und mit ihr die nächste Prüfung seiner Härte.
