Rothfuss und schmiedt schwingen schwarz-rot-gold zum letzten mal
Die Curling-Arena von Cortina d'Ampezzo wird am Sonntag zur Bühne der Emotionen: Andrea Rothfuss und Christian Schmiedt tragen die deutsche Fahne in die Abschlussfeier – ein Symbol für zwei Karrieren, die Gipfel und Abgründe kannten.
Zwischen depression und rekord
Rothfuss, 36, verabschiedet sich mit ihrer sechsten Teilnahme als Rekord-Winter-Paralympierin. Die Skirennläuferin, die ohne linke Hand geboren wurde, stand 2014 in Sotschi bereits vor der Kulisse der Welt – damals bei der Eröffnung. Jetzt, nach einem mentalen Tief, das sie monatelang vom Schnee fernhielt, kehrt sie zurück. „Diese Ehre ein zweites Mal zu erleben, ist unbeschreiblich“, sagt sie, während ihre vierten Plätze im Super-G und Riesenslalom nur noch Fußnoten sind.
Schmiedt, 37, Pionier des deutschen Para-Snowboards, fuhr in Italien als einziger deutscher Starter. Neunter im Cross, Zehnter im Banked Slalom – und dennoch gewinnt er die größte Bühne. „Ich bin der alte Hase, der alleine an vorderster Front kämpft“, lacht er, doch hinter dem Lächeln steckt ein Appell: Nachwuchs dringend gesucht. Ob er mit 41 Jahren in den französischen Alpen nochmal antritt? Offen. Die Fahne schwingt trotzdem.

Ein team, zwei städte, viele fragen
Das deutsche Eishockey-Team schaut von Mailand aus zu. Die Curling-Arena bietet keinen Platz für die Krüppel-Eishockey-Helden – eine logistische Demütigung, die Teammanager Michael Freitag sichtbar verärgert: „Wir sind enttäuscht, aber wir schauen nach vorne.“ Stattdessen feiern die Athleten aus Cortina und Tesero – ein Split, der die Spiele spaltet wie die Dolomiten selbst.
Die Abschlussfeier wird zur Generalprobe für 2030: Wer bleibt, wer geht, wer führt die nächste Generation? Rothfuss und Schmiedt tragen nicht nur Stoff, sondern ein Erbe. Und vielleicht ist das der eigentliche Goldwert: zwei Sportler, die trotz Rückschlägen, Depressionen und fehlenden Händen die Fahne nicht sinken ließen.
