Romero zieht notbremse: 21-jähriger rast ins öhb-geheimlager
Iker Romero hasste den Montagmorgen, als er Nemanja Belos' Bänderriss las. Statt zu lamentieren, tippte er eine Nummer, die kein Scout auf dem Zettel hatte: Mats Rudnicki, 21, Fivers Margareten, 96 Tore in 18 Spielen – und plötzlich mittendrin im Kader, statt nur draußen vor der Tür.
Warum bregenz plötzlich klingt wie ein kriegszelt
Die Länderspielwoche war als Trainingstour gedacht, doch der Begriff „Testspiel“ verblasst, sobald man Romeros Stimme hört. „Wir gehen rein, als wäre es das letzte Quali-Ticket“, sagt er, während die Halle in Bregenz noch nach frisch geöltem Parkett riecht. Der Spanier will keine Freundschaft, er will einen Sieg, der das Selbstbewusstsein für den WM-Play-off im Mai schon jetzt einläutet.
Rudnicki landete am Montag um 10:14 Uhr in Bregenz, um 10:40 Uhr hatte er seinen ersten Handstand auf österreichischem Parkett. Kein Video, kein Handy, nur der Ball, der leise aufprallt und das Geräusch von 17 Paar Augen, die schauen, ob der Neue mithalten kann. Er kann. 96 Treffer sind keine Glanznummer, sondern eine Ansage. Romero liebt solche Zahlen, weil sie lügenfrei sind.

Das spiel gegen nordmazedonien ist kein freundschaftsspiel – es ist ein spiegel
Die Fans sollen kommen, die Halle soll kochen, denn Romero weiß: Lärm verdrängt Zweifel. Gegen Nordmazedonien will er kein Labor, er will eine Standpauke. Kein Frimmel, kein Bozovic – dafür ein Neuer, der nichts zu verlieren hat. „Mats spielt, weil er es sich verdient hat, nicht weil wir gnädig sind“, sagt Romero und klingt dabei wie ein Mathematiklehrer, der eine Lösung schon kennt, aber trotzdem fragt.
Die Rechnung ist einfach: Sieg gegen Nordmazedonien, Selbstvertrauen tanken, dann Heimrecht im Play-off am 13. Mai im Raiffeisen Sportpark Graz. Dort wartet Polen oder Lettland – wer genau, entscheidet sich diese Woche in einem Doppelpack, das keiner im ÖHB-Büro live sehen wird, weil alle Handys in Bregenz bleiben und nur die Augen auf dem Feld sind.
Rudnicki wird nicht viel sagen, er ist ein Typ, der lieber wirft als redet. Aber wenn er trifft, wird man den Namen hören, der vor einer Woche noch kein Journalist buchstabiert hatte. Dann steht er nicht mehr für Belos’ Verletzung, sondern für Romeros Plan, der lautet: gewinnen, um zu gewinnen. Der Rest ist nur Geräusch.
