Riera zieht den stecker – frankfurt zittert vor dem großen knall

Ein Satz noch, und die Kabine schwankt. Albert Riera hatte sich nach dem 1:2 in Mainz selbst entzaubert: „Trainer sind keine Magier.“ Keiner der Profi-Männer widersprach, aber im Hintergrund knirscht es laut. Denn der Zauberstab, mit dem der Spanier am 3. Februar in Frankfurt noch großspurig wedelte, ist seit drei Wochen nicht mehr auffindbar.

Stattdessen steht ein Kader, der sich fragt, ob der Mann mit der Sonnenbrille noch die richtige Frequenz hat. Mario Götze saß vor 50 000 Zuschauern in Mainz auf der Tribüne – Weltmeister, Anführer, Außenseiter. Jonathan Burkardt, bisher neun Ligatore in 15 Spielen, durfte gegen Heidenheim die Bank wärmen. Begründung von Riera: falscher Stürmertyp gegen das Schlusslicht. Die Antwort der Offensive: Stille. Die Antwort der internen WhatsApp-Gruppen: lauter.

Die rasierklinge zwischen disziplin und desaster

Riera predigt Radikal-Kurs, doch die Methode fräst sich ins Teamgerüst. Sechs Kapitäne hat die Eintracht, zwei davon hat er öffentlich degradiert. Wer nächste Woche dran ist, steht auf keiner Taktiktafel. Das macht unberechenbar – und unberechenbar macht Angst. Junge Spieler brauchen klare Linien, aber sie brauchen auch Orientierung. Die bekommen sie gerade aus der Ferne mit, wenn Krösche und Riera sich in der Länderspielpause in der Trainingsgastro treffen. Ort: Frankfurt. Thema: Ist diese Rakete noch lenkbar?

Die Fakten liefern Halbwahrheiten. Unter Riera kassierte die Abwehr nur sechs Gegentore in sieben Partien. Die Defensive blüht auf, Brown wirft sich wie ein Bodyguard, Amenda wirkt erwachsen. Doch vorne? Zwei Treffer in den letzten drei Spielen, dazu eine Positions-Tombola. Rechtsfuß links, Linksverteidiger auf dem falschen Flügel, Kalimuendo als Rechtsaußen, Larsson allein auf weiter Flur im defensiven Mittelfeld. Ritsu Doan sucht seine Geschwindigkeit mitten im Getümmel, findet aber nur Gegner. Der Plan fehlt, der Rhythmus auch.

Die qualifikation wird zum wunderwerk

Die qualifikation wird zum wunderwerk

Riera nannte einen Auswärtssieg in Mainz „ein Wunder“. Das klang nicht wie Motivation, sondern wie Resignation. Europa rückt auf Platz neun ab, die Punkte fehlen, die Moral schimmert. Elf Zähler aus sieben Spielen klingen solide, aber die Tabelle lügt nicht: Frankfurt ist seit fünf Partien sieglos. Und die nächsten Gegner heißen Dortmund, Leipzig, Leverkusen. Wenn dort keine Punkte springen, ist selbst der Zauberstab von Anfang Februar nur noch ein Schaustück im Fanshop.

Der Trainer muss liefern – und nicht nur mit Sprüchen. Die Mannschaft wartet auf eine Idee, wie man tief stehende Ketten sprengt. Die Fans warten auf ein Signal, das über Ego hinausgeht. Und die Klubführung wartet auf Antworten, bevor sie den nächsten Schritt plant. Denn wer zwei Kapitäne brüskiert, dem traust du irgendwann auch den Umgang mit der ganzen Mannschaft nicht mehr zu. Die Stunde der Wahrheit tickt laut. In Frankfurt hört das jeder.