Reutlingen: herbst hält die lila-weißen auf kurs – und jagt die wende
Thomas Herbst hat den SSV Reutlingen in eine bemerkenswerte Serie katapultiert: Seit seinem Amtsantritt in der Winterpause ist das Team ungeschlagen. Doch der Blick nach unten bleibt angespannt, sechs Unentschieden haben den Aufstieg aus dem Tabellenkeller unnötig verlangsamt. Trotzdem flüstert die Formkurve Zuversicht – und die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rückrunde sowie eine ambitionierte Zukunft in Reutlingen wächst.

Ein trainerwechsel im winter, eine neue perspektive
Der November vergangenen Jahres markierte einen Wendepunkt für den SSV Reutlingen. Der Abschied von Alexander Strehmel, einst selbst VfB-Profi, hinterließ eine Lücke. Interimist Marvin Petzschner übernahm die Zügel, bevor die sportliche Leitung um Christian Grießer die Verpflichtung von Thomas Herbst vollzogen – ein Mann, der erst kurz zuvor bei Ligakonkurrent 1. CfR Pforzheim sein Rücktritt verkündet hatte. Ein Wechsel, der sich auszahlen scheint.
Herbst selbst sieht in seiner Aufgabe mehr als nur eine bloße Rettungsmission. „Reutlingen ist ein großer Name, der sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln möchte“, betont der 38-Jährige. Die Ausgangslage war – und ist – herausfordernd: Ein Drittletzter mit lediglich 20 Punkten aus 19 Spielen, dezimiert durch eine hohe Anzahl an Langzeitverletzten. Der Ausfall von Konstantinos Markopoulos, Willie Till Sauerborn und Tom Ruzicka hatte die Sturmreihe fast vollständig lahmgelegt.
Doch dann der Coup: Marcel Sökler, ein erfahrener Stürmer mit zahlreichen Toren in Oberliga und Regionalliga, wechselte vom Ligakonkurrenten FC Villingen an den Eisbach. „Es ist ein Glücksgriff, in der Winterpause so einen Stürmer zu bekommen“, jubelt Herbst. Sökler soll nun nicht nur Treffer erzielen, sondern auch den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legen. „Marcel geht bewusst diesen Weg, mit dem Ziel, dass ab Sommer hier in Reutlingen etwas vorangeht.“
Die Oberliga bietet keine einfachen Gegner. „Es gibt in dieser Oberliga keine Selbstläufer“, warnt Herbst, der sich der Notwendigkeit bewusst ist, weitere Punkte zu sammeln, um den Klassenerhalt zu sichern. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt aktuell fünf Punkte, doch die kommenden Spiele gegen die Top-Teams der Liga werden richtungsweisend sein. Der FSV Hollenbach, der Karlsruher SC II und Türkspor Neckarsulm – direkte Duelle, in denen entscheidende Zähler auf dem Konto eingebracht werden müssen.
Die Stabilität der Mannschaft ist beeindruckend. „Im Moment sind wir recht stabil, kassieren wenig Gegentore aus dem Spiel heraus“, stellt Herbst fest. Die vielen Unentschieden zeugen von Kampfgeist und Leidenschaft. „Unsere vielen Unentschieden zeigen, wie hart wir jeweils an der Kante dran sind.“ Die Rückrundentabelle gibt Anlass zur Hoffnung, doch die fußballerische Entwicklung muss weiter vorangetrieben werden. „An diesem Prozess arbeiten wir zweigleisig, einerseits mit Blick auf die Entwicklung, andererseits wissen wir, dass wir Ergebnisse brauchen.“
Der SSV Reutlingen hat eine reelle Chance, den Abstiegskampf zu beenden und sich für die nächste Saison neu aufzustellen. Die unaufgeregte Verfolgung des Ziels, gepaart mit der neu gewonnenen Stabilität und der Erfahrung von Marcel Sökler, lassen auf eine positive Zukunft hoffen. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Klassenerhalt, doch die Weichen für eine ambitionierte Zukunft sind gestellt. Reutlingen atmet auf – und blickt optimistisch in die verbleibenden Spiele.