Reichert trifft zwölfmal: thc sichert sich heimspiel vor 2.000 fans

Johanna Reichert schraubte sich an einem einzigen Abend in die Geschichtsbücher der European League. Mit zwölf Treffern zerlegte die Rückraumkanonierin in Nykobing die dänische Blockade und katapultierte den Thüringer HC auf Kollisionskurs mit dem Final Four. 31:27 – die Zahlen täuschen. Das Spiel war lange offener als ein Riss in einem Handball.

Der moment, als bossen plötzlich mensch wurde

25 Minuten lang war Anne Christine Bossen ein Wolkenkratzer im Tor der Gastgeberinnen. 13 Paraden, jeder Wurf wie gegen eine Wand. Dann kam Minute 26. Reichert nahm den Ball, zog aus neun Metern, veränderte in der Luft den Winkel – 8:7, erste Thüringer Führung. Die Däninnen schauten sich an, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Die Pause stand 14:13 für Nykobing, aber die Luft roch bereits nach Thüringen. In der Kabine sagte Herbert Müller nur zwei Sätze. Erster Satz: „Wir spielen jetzt Seitenwechsel auf der Anzeige.“ Zweiter Satz: „Johanna, bleib heiß.“ Was danach passierte, war kein Handballspiel mehr, sondern ein Temposchlag.

4:0-Lauf, 27:23, dann stille im kattegat

4:0-Lauf, 27:23, dann stille im kattegat

Die zweite Hälfte war ein Monolog. Reichert traf aus dem Rückraum, Nadja Nadgornaja konterte im Sprint, und plötzlich stand es 27:23. 1.200 dänische Zuschauer verstummten, nur ein Häufchen Thüringer Anhänger hinter dem Tor sang „Wir fahren nach Wien“. Die letzten neun Minuten verwaltete der THC wie ein Kontoauszug: kein Risiko, jeder Pass kontrolliert, jede Sekunde ein kleiner Diebstahl.

Die Statistik lügt nie: 54 Prozent Wurfquote nach der Pause, nur noch drei Ballverluste. Bossen kam nicht mehr an einen einzigen Wurf. „Wir haben sie leer gespielt“, sagte Reichert später, die selbst noch staunte, wie leer ein Tor sein kann.

Am Sonntag wartet das Rückspiel in Erfurt. 2.000 Tickets sind bereits weg, die Halle wird kochen. Müller warnte vor Jubel: „27:31 ist eine gute Visitenkarte, aber keine Eintrittskarte.“ Trotzdem: Wer Reichert so spielen sieht, glaicht nicht mehr an Zufall. Die European League hat ihren Shootingstar – und Thüringen steht vor dem zweiten Final Four in Folge.