Rb leipzig stoppt freiburg und jagt europaplatz: 2:0-sieg heizt frauen-bundesliga an

Die Roten Bullen haben den nächsten Schritt Richtung rettende Mittelfeldbank gemacht: RB Leipzigs Frauen schlugen den SC Freiburg mit 2:0 und schraubten sich mit nun sechs Unbesiegt-Spielen auf Rang neun. Das klingt nach Mittelmaß, ist aber ein Sechser im Abstiegsroulette – und ein Warnschuss an die etablierten Euro-Träumer.

Landenbergers freistoßknaller und boboys lattenkracher

Trainer Jonas Stephan hatte seine Elf auf „seriös“ programmiert, wie er nach Abpfiff betonte. Das war kein Schönspiel, sondern Arbeitssieg deluxe. Nach 45 Minuten Pfostenpech und Herzog-Paraden wurde Julia Landenberger zur 52. Minute zur Garantin: Ihr Freistoß aus 18 Metern schlug wie ein Exocet unter die Latte, Keeperin Rebecca Adamczyk war ohne Chance. Die Freiburger Antwort blieb halbherzig, weil Nicole Ojukwu nach wiederholten Tritten in der 58. Minute Gelb-Rot sah. Die Elf vom Dreisam war damit auf zehn Feldspieler reduziert – und Delice Boboy nutzte die Lücke: Ihr Dropkick aus 16 Metern prallte gegen die Lattenunterkante, der Ball zappelte zum Endstand im Netz.

Die Zahlen sprechen für sich: 14:6-Schüsse, 60 % Ballbesitz, 4:1 Eckstöße – alles Leipzig. Doch die wirkliche Story verbirgt sich hinter der Serie. Seit der Winterpause hat RB kein Spiel mehr verloren, kassierte nur zwei Gegentore und schob sich von den Abstiegsrängen bis dicht an die europäischen Plätze heran. Sportdirektorin Katja Kraus sprach von „einem Mentalitätsknick“, der endlich vollzogen sei. Die Fans auf der Gegengerade skandierten „Europe, Europe“, und das war diesmal kein ironischer Seitenhieb auf verpasste Qualifikationsträume, sondern reale Perspektive.

Jena stolpert erneut – abstiegsgräben werden tiefer

Jena stolpert erneut – abstiegsgräben werden tiefer

Parallel erlitten die Thüringerinnen aus Jena den nächsten K.o. Nelly Juckels 88-Minuten-Versuch landete am Außennetz, und Katharina Piljics frühes Tor in der 19. Minute reichte Bayer Leverkusen zum 1:0. Für Jena heißt es: fünf Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz, nur noch vier Spieltage, und das Selbstvertrauen bröckelt. Trainerin Viola Hübsch hatte schon vor Wochen gewarnt, „die Relegation beginnt jetzt“, doch ihre Mannschaft findet einfach keinen Lebenszeichen-Knopf.

Die Leipziger sieben Punkte Vorsprung auf Jena erscheinen auf einmal wie eine kleine Felswand, die die Abstiegslawine stoppt. Stephan ließ seine Spielerinnen nach dem Abpfiff auf dem Rasen versammeln, kein lautes Siegesgebrüll, sondern kurze Ansage: „Weiter so, Mädels – nächste Woche in Hoffenheim machen wir den Boden für den Sommerplanungstermin frei.“

Die Bundesliga-Spitze mag weiterhin von Bayern, Wolfsburg und Frankfurt dominiert werden. Doch wer die Tabellenmittte studiert, entdeckt ein neues Gewicht: RB Leipzig, früher ein Vorreiter-Projekt, jetzt ein Kandidat für die neue Wildcard-Runde der Conference League. Die Zahlen der Rückrunde: 14 Punkte aus sechs Spielen – nur die Top-Drei sammelten mehr. Die Frage ist nicht mehr, ob Leipzig die Klasse hält, sondern, ob sie die Euro-Tickets doch noch vor den großen Namen kauft. Der Sport ist schnelllebig. Und heute gehört der Schwung wieder den Roten Bullen.