Reichert fällt aus – berlin kann den nächsten schock nicht mehr auffangen

Moritz Reichert humpelte vom Feld, und mit ihm schwankte die Saison der BR Volleys. Ein Außenbandriss im rechten Sprunggelenk bremst den 30-jährigen Nationalspieler mindestens bis in die Play-offs – vielleicht länger. Die Verkündung kam am Montag wie ein Schlag ins Kontor, nachdem die Hauptstädter gerade erst den zweiten Langzeitverletzten im Mittelblock verabschiedet hatten.

Die verletztenliste droht die kaderdecke zu sprengen

Kaweh Niroomand spricht von einer „ganz bitteren Nachricht“, doch das klingt fast schon wie ein Euphemismus. Mit Nehemiah Mote und Jelle Bosma fallen schon die zentralen Blockposten aus, nun fehlt auch noch der flexible Angreifer, der in der Annahme stabilisiert und im Feld verteidigt, als gäbe es kein Morgen. Die medizinische Abteilung arbeitet auf Hochtouren, doch niemand traut sich eine Prognose über Reicherts Comeback ab.

Die Zeit läuft gegen Berlin. Am Mittwoch steht das Rückspiel im CEV-Cup-Viertelfinale bei Piacenza an, das Hinspiel ging 1:3 verloren. Ohne Reichert wirkt der Kader wie ein Puzzle mit fehlenden Mittelstücken – nur ein 3:1-Sieg würde den Tiebreak erzwingen, und das ist angesichts der italienischen Heimstärkke kaum mehr als ein theoretisches Konstrukt.

Die play-offs rücken näher, der ersatz bleibt rar

Die play-offs rücken näher, der ersatz bleibt rar

Ende März geht die Bundesliga in die K.o.-Runde. Die Volleys wollten 2026 endlich die Meisterschale holen, doch jetzt lesen sich ihre Aufstellungsmöglichkeiten wie ein Notprogramm. Jugendspieler rücken nach, Routiniere übernehmen zusätzliche Pass- und Angriffsanteile, die Belastung steigt exponentiell. Trainer Michał Winiarski muss umstellen, ohne das Spielprinzip zu verbiegen – ein Balanceakt zwischen Mut und Verzweiflung.

Die Fans diskutieren auf Social Media bereits über Sondengänger aus dem Ausland, doch die Transferfrist ist geschlossen. Die Lösung kann nur intern kommen, und genau das macht die Lage so brisant. Denn wenn der Engpass im Zuspiel oder der Mitte nicht rechtzeitig gestopft wird, droht nicht nur das Aus im Europacup, sondern auch ein Verlust der Pole Position in der Liga.

Moritz Reichert selbst schweigt bisher öffentlich. Teamkollegen berichten von einem eher ruhigen Gemüt, das sich in Reha-Arbeit flüchten wird. Die Frage ist nicht, ob er zurückkommt – die Frage ist, ob die Saison bis dahin noch zu retten ist. Die Antwort liegt irgendwo zwischen dem MRT-Gerät in Charlottenburg und den Hallenböden Europas, auf denen Berlin bislang seine Dominanz verstreichen sah.