Reggianis traumtor entzückt dortmund – bvb will jugend wieder groß schreiben
Es war der Moment, in dem ein 18-Jähriger das Stadion zum Kochen brachte – und einen Traditionsclub wieder auf seine DNA zurückwirft. Luca Reggiani traf am Samstag gegen Augsburg zum 2:0, sprintete wie ein Irrer zur Bank und verschaffte dem BVB mehr als drei Punkte. Er lieferte das lebende Argument dafür, warum der Verein künftig wieder auf die eigene Jugend setzt.
Sturm auf die Bank, Kopf in den Händen, dann der Sprung in Inacios Arme: Der Jubel des italienischen Innenverteidigers war das pure Kino. Kein Marketing-Spot, kein PR-Strick – nur ein Junge aus der U17, der seinen Traum lebt. «Er wusste gar nicht, wohin mit sich», sagte Niko Kovac nach der Partie und grinste wie ein Zwölfjähriger. Der Coach hatte Reggiani statt Niklas Süle aufgeboten, bewies damit Mut und wurde belohnt.
Warum dieser treffer weit über das tor hinaus wirkt
Schon vor dem Spiel hatte der Klub intern signalisiert, dass die nächste Umbruchphase nicht mit teuren Importen, sondern mit heißen Eigenbauern bestreitet wird. Emre Can fällt monatelang aus, Süle wird den Verein verlassen, Schlotterbeck sagt möglicherweise ebenfalls Tschüss. Die Lücke könnte Reggiani mit seiner Mischung aus Kampfgeist und Ballsicherheit schließen – wenn er will. Vertragsgespräche laufen bereits, der Fokus liegt auf 2028.
Die Zahlen sprechen für ihn: Fünf Profi-Einsätze, kein Gegentor aus seiner Zone, dazu jetzt das Premierentor. «Als Abwehrspieler willst du vor allem Nullen stehen», sagte Nebenmann Waldemar Anton. «Das Tor war das i-Tüpfelchen.» Die Fans feierten den Treffer, als hätte der BVB gerade das Champions-League-Finale gewonnen – ein Reflex auf Jahrzehnte, in denen Klubkinder wie Götze, Reus oder Moukoko die Identität der Vereinsmarke prägten.
Für Sportchef Sebastian Kehl ist Reggianis Entwicklung ein Glücksfall, den er sich nicht nehmen lassen will. Der Teenager kam 2022 aus Sassuolos U17, sprach auf Anhieb deutsch und stahl sich in die Herzen der Nachwuchstrainer. «Er war nie der Lauteste, aber jeder wusste: Der Junge tritt in jedem Training zweimal an», sagt U19-Coach Mike Tullberg. «Jetzt zeigt er es vor 80 000 Zuschauern.»

Der bvb schläft nicht – er züchtet
Die Dortmunder haben gelernt: Teure Neuzugänge wie Meunier oder Schulz versiegen schnell, wenn die Chemie stimmt. Dagegen wachsen eigene Jungs mit dem Verein. Reggiani ist das neue Aushängeschild, doch hinter ihm drängen weitere Talente: Kjell-Aurel Wätjen, Paris Brunner oder die Zwillinge Bornemann – allesamt lokal oder früh geholt, allesamt hungrig auf Minuten.
Kovac wird sie kriegen. Der Österreicher lobte nach dem Spiel nicht nur das Tor, sondern vor allem die «raue Einstellung» des Verteidigers. «Er hat Führungsspieler-Qualitäten», sagte Kovac und ließ durchblicken, dass Reggiani bereits in der nächsten Partie starten könnte. Die Aussicht auf weitere Einsätze treibt die Marktwerte-Berechner zur Weißglut: Sein Wert stieg innerhalb von 24 Stunden von 1,5 auf 3 Millionen Euro – Tendenz steil.
Für den Spieler selbst bleibt der Fokus auf dem nächsten Gegner. «Ich habe nur eine Halbzeit geschlafen», verriet er lachend, «dann habe ich meine Mom angerufen – und die hat geheult.» Familie Reggiani plant schon die Reise nach Dortmund, wenn der BVB auf Schalke spielt. Dort will der Defensivmann seinen zweiten Bundesliga-Treffer erzielen – und würde damit eine weitere Kreuzung zwischen Mythos und Moderne markieren.
Die Botschaft ist klar: Der BVB kann auch 2026 noch Fußball spielen, ohne sich zu verbiegen. Es reicht ein 18-jähriger Italiener, der sich nach seinem Tor an den Kopf fasst und losläuft – als hätte er das Lächeln der ganzen Stadt auf einmal gesichtet. Wer jetzt noch glaubt, Geld mache das Spiel kaputt, hat Luca Reggiani nicht gesehen.
