Farken reist mit vollgas nach torun: „wer nicht kommt, verpasst seine chance“
Die Hallen-WM beginnt am Freitag mit einem Startfeld, das aussieht wie ein verlegter Trainingstag – nur 13 deutsche Läufer schickt der DLV nach Torun. Robert Farken ist einer von ihnen, und er versteht die Welt nicht mehr. „Wir jammern über fehlende Medienpräsenz, schicken dann aber unsere besten Leute nicht zur WM? Das ist ein Eigentor“, sagt der Leipziger, dessen Oberschenkelmuskel vor drei Wochen noch zwickte.
Der vorlauf als erste endstation
In der Arena nas Torun gibt es kein Halbfinale. 32 Starter, zwei Runden, die sechs Schnellsten rücken ins Finale – das ist purer Sprint auf 1500 m. „Wer da schläft, fliegt raus“, weiß Farken, der mit 3:30,80 min den deutschen Hallenrekord hält. Die Statistik gibt ihm recht: Von den zehn Besten der Weltrangliste meldeten sich nur er und Titelverteidiger Isaac Nader aus Portugal an. Die Konkurrenz schaut von zu Hause zu.
Die Absagewelle hat Methode. Einige Stars wollen sich auf die Sommersaison schonen, andere fürchten die enge Bahn in Torun. Farken lacht schulterzuckend: „Ich habe meine Trainingswochen in Boulder absolviert, bin bei 100 Prozent. Wer jetzt zuhause bleibt, darf sich im Sommer nicht wundern, wenn keiner mehr über die Hallen-WM redet.“

Rekordjahr fordert seinen tribut
Die 3:35,15 min aus Tokio haben den Druck erhöht. Sponsoren wollen Bestätigung, Fans wollen neue Bestzeiten. Der 28-Jährige trainiert seit Oktober in Colorado, Höhenmeter statt Leipziger Flachland. „Der Wechsel war nötig, um die nächste Stufe zu finden“, sagt er und schiebt nach: „Aber Stufe zwei kommt erst, wenn ich in Torun ins Finale laufe.“
Seine größte Gefahr kommt aus dem eigenen Körper. Bei der Deutschen Hallenmeistersichte in Leipzig bremste ein Schmerz im linken Oberschenkel ihn aus. Keine Strukturschäden, aber ein Warnschuss. Farken: „Ich bin froh, dass es nur ein Schreckmoment war. Jetzt zählt nur noch Polen.“
Die Medaillen werden am Sonntagabend vergeben. Silber und Bronze sind möglich, doch Farken will mehr. „Ich bin kein Tourist. Ich bin gekommen, um anzugreifen.“ Dann packt er seine Spikes ein, lässt die Kritik an den Abwesenden zurück und fliegt mit Zwischenstopp Frankfurt nach Krakau. Torun wartet – und mit ihr eine Bahn, die schon viele Namen vergessen gemacht hat.
