Reformer-pilates macht männerbeine zu raketen – ohne kreuzbandrisiko
Milano – Wer denkt, das Gerät gehöre in Frauenstudios, hat noch nie gesehen, wie Lorenzo Morrone seine Rugbyspieler auf den Knien rutschen lässt. Der ehemalige Ballett-Tänzer hat im Keller seiner Pilates-Akademie Mot Studios eine Sequenz entwickelt, die Skifahrer, Fußballer und Radprofi in 35 Minuten in Explosiv-Maschinen verwandelt – und dabei Knorpel, Bänder und Achillessehnen schont.
Statt 200 kg an der Hantel ziehen die Athleten an Federn, die exakt den Punkt treffen, an dem Kraftentwicklung endet und Belastung beginnt. „Der Reformer arbeitet mit variabler, nicht mit linearer Last“, sagt Morrone, während er die Widerstandsschienen justiert. „Das bedeutet: Der Muskel beschleunigt bis zum letzten Millimeter, ohne dass Gelenke abrupt abbremsen müssen.“

Die fünf sätze, die beine aus stahl werden lassen
Seine Kür besteht aus fünf Übungen, die er „Front Lunge“, „Chest Expansion Kneeling“, „Squat on Half-Toe“, „Side Lunge“ und „Shoulder Bridge“ taufte. Jede Bewegung endet in einer isometrischen Spitze – drei Sekunden Stillsstand, in denen die Muskelfasern unter Spannung zittern. Zwischen den Sätzen keine Pause, sondern ein Roll-out auf dem Karren, das die Faszien wie ein Eisen schmilzt.
Der Clou: Die Übungen treffen nicht nur Quadrizeps und Glutäus, sondern zwingen den Core, permanent gegen die Vibration des Wagens anzukämpfen. „Wenn du nach vier Wochen drei Sekunden schneller auf dem Berg bist, ist das kein Placebo, sondern reine Mechanik“, sagt Morrone. Sein Lieblingsexperiment: Er lässt Kicker 20 Reformer-Einheiten mit nachfolgendem Sprint-Test absolvieren. Die Gruppe, die zuvor klassisch Kreuzheben machte, verlor 0,8 km/h Schnelligkeit – die Reformer-Fraktion legte 1,3 km/h zu.
Die Zahlen sind klein, aber in der Sportwelt entscheidend. Ein Skisprinter, der 0,1 Sekunden früher durchs Ziel fliegt, sichert sich einen Wintervertrag. Ein Rugby-Flügel, der nach 70 Minuten noch mal zehn Meter nach vorne prescht, entscheidet Finale. „Wir reden hier nicht über Ästhetik, sondern über Nanosekunden, die sich mit Gold aufwiegen lassen“, sagt Morrone und zieht die nächste Platte an den Federn fest.
Für den Normalathleten kostet die Premiummitgliedschaft bei Mot 180 Euro im Monat. Dafür gibt es keine schweren Scheiben, aber ein Protokoll, das Physiotherapeuten mittlerweile als „Prävention on Steroids“ bezeichnen. Die Warteliste ist auf zwölf Wochen angewachsen, seit der AC Mailand seine Reha-Stars dorthin schickt. Wer dennoch zögert, sollte wissen: Die einzige Nebenwirkung sind Jeans, die ab sofort an den Oberschenkeln platzen. Der Rest bleibt heil.
