Reform des spitzensports: ein gescheitertes unterfangen?
- Ein trauerspiel in acht akten
- Die bittere bilanz aus mailand und cortina d’ampezzo
- Das geld allein bringt keine medaillen
- Das potas – eine gescheiterte strategie?
- Ziele im nebel: was wollen wir überhaupt?
- Der machtkampf um die sportförderung
- Ein unübersichtliches system
- Die folgen für die athleten
- Ein hoffnungsschimmer?
Ein trauerspiel in acht akten
Wer Erfolgsgeschichten erwartet, wird hier enttäuscht. Dieser Beitrag widmet sich dem frustrierenden Versuch Deutschlands, seinen Spitzensport nachhaltig zu reformieren. Seit Jahren werden Anläufe gestartet, Gelder umverteilt und neue Strategien entwickelt – doch die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück. Es ist eine Geschichte von verpassten Chancen, politischem Gezerre und einer verzwickten Bürokratie.

Die bittere bilanz aus mailand und cortina d’ampezzo
Die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo offenbarten schonungslos die Schwächen des deutschen Systems. Platz fünf in der Nationenwertung ist eine magere Ausbeute, insbesondere im Vergleich zu den traditionell starken Leistungen. Statt Top-Drei-Platzierungen gab es zahlreiche vierte Plätze und Enttäuschungen, insbesondere im Skisport. Die angestrebten Medaillenziele wurden deutlich verfehlt. Dies ist ein deutliches Signal, dass etwas grundlegend falsch läuft.

Das geld allein bringt keine medaillen
Der Staat hat frühzeitig Alarm geschlagen und die finanzielle Förderung des Spitzensports deutlich erhöht. Von 53,5 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 119 Millionen Euro im Jahr 2025. Der Plan war einfach: Mehr Geld für mehr Medaillen. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Das Geld versickert oft in unnötigen Strukturen und erreicht die Athleten und Trainer nicht in ausreichendem Maße. Eine effiziente Mittelverwendung bleibt weiterhin eine Herausforderung.

Das potas – eine gescheiterte strategie?
2016 wurde eine neue Strategie eingeführt: Die Förderung sollte sich an den Erfolgsaussichten der einzelnen Sportarten orientieren. Das sogenannte PotAS (Potenzial-Analyse-System) sollte dies objektiv und transparent analysieren. Doch der DOSB bekam kalte Füße und die Reform wurde verwässert, da die vermeintlichen Erfolgsgaranten benachteiligt wurden. Das Ergebnis: Das PotAS wurde zu einem bürokratischen Monster ohne wirkliche Lenkungswirkung.

Ziele im nebel: was wollen wir überhaupt?
Gleichzeitig stellen sich grundsätzliche Fragen: Ist der volle Fokus auf Medaillen wirklich sinnvoll? Sollten wir uns nicht stärker auf die Werte des Sports konzentrieren und eine gesunde Balance zwischen Leistung und Gesundheit anstreben? Eine offene Debatte über die Ziele des deutschen Spitzensports ist überfällig, aber derzeit scheint weder Politik noch Sport bereit, diese konsequent zu führen. Die aktuelle Devise lautet: Medaillen sind nicht alles, aber die Richtschnur.

Der machtkampf um die sportförderung
Der Reformversuch von 2016 wurde durch das geplante Sportfördergesetz von 2022 fortgesetzt. Die Erkenntnis: Zu viel Steuergeld versickert in Bürokratie. Nach dem Vorbild Großbritanniens sollte eine unabhängige Agentur die Sportförderung steuern. Doch seit vier Jahren herrscht Streit, insbesondere darüber, wer die Kontrolle über die Agentur haben soll. Der Bund pocht auf Aufsicht, während der DOSB um seinen Einfluss kämpft.

Ein unübersichtliches system
Das Hauptproblem ist die Vielzahl an Institutionen, die im Spitzensport-Fördersystem mitmischen. Diese agieren oft parallel und konkurrieren um Ressourcen. Neben den bereits genannten Akteuren sind auch die Bundesländer, Kommunen, das Bundesinstitut für Sportwissenschaften und zahlreiche Stiftungen involviert. Das System ist undurchsichtig und ineffizient. Eine Tabelle kann hier etwas Klarheit schaffen:
| Akteur |
|---|
| Bundeskanzleramt |
| Bundesverteidigungsministerium |
| Bundesministerium der Finanzen |
| Bundesinnenministerium |
| Bundesländer |
| Kommunen |
| Bundesinstitut für Sportwissenschaften |
| DOSB |

Die folgen für die athleten
Die Athleten und Trainer leiden unter den finanziellen Engpässen und dem Mangel an Absicherung. Sie fühlen sich in den Reformen nicht ausreichend berücksichtigt. Viele Sportlerinnen und Sportler müssen neben ihrem Training noch arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine nachhaltige Unterstützung der Athleten bleibt weiterhin eine große Herausforderung.
Ein hoffnungsschimmer?
Die neue Sportministerin Christiane Schenderlein (CDU) bietet die Chance auf einen frischen Blick und konsequentes Handeln. Auch die Olympischen Spiele in Deutschland könnten ein Katalysator für Veränderungen sein. Doch wie angekündigt, dies ist keine Erfolgsgeschichte. Die Olympia-Bewerbung ist teuer und mit Risiken verbunden. Und die Agentur? Sie wäre nur ein Schritt nach vorne, wenn sie das System tatsächlich verschlankt und Einsparungen erzielt. Sonst wird das Drama weitergehen.
