Recktenwald verpasst podest: gold trotz fehler – und eine deutsche erobert bronze
Johanna Recktenwald schlüpft in die Skating-Ski, atmet tief durch und spurtet ins Ziel. Platz fünf. Keine Medaille. Die Saarländerin bleibt 1:25,3 Minuten hinter Wang Yue zurück – einer Chinesin, die sich trotz eines Schießfehlers Olympiasieger nennen darf. Die Botschaft von Cortina: Fehler sind erlaubt, wenn die Beine schneller sind als die Konkurrenz.
Die sekundenbruchstelle entscheidet über bronze und tränen
Recktenwald steht am Schießstand, zielt, trifft. Perfekte Serie. Doch das reicht nicht. Leonie Walter schafft es mit derselben Trefferquote, aber 39,7 Sekunden Vorsprung aufs Podest. Die Frage, die sich Recktenwald stellt: Wo habe ich die verloren? Die Antwort liegt im Waldstück hinter der Stadionkurve. Dort verliert sie fünf Sekunden auf jedem Kilometer. „Ski nicht schnittig genug“, sagt Bundestrainer Thomas Arnold. „Bei Minusgraden verzeiht der Schnee keine Schwäche.“
Die Tschechin Simona Bubenickova wird Vierte, 18 Sekunden vor Recktenwald. Eine halbe Minute, die zwischen Weltklasse und Mittefeld trennt. „Wir analysieren jetzt die Gleitwachs-Mischung“, verrät Arnold. „Die Luftfeuchtigkeit sprang von 45 auf 78 Prozent – ein klassischer Fall für verregnetes Pulver.“

Die paralympics sind ein marathon, kein sprint
Für Recktenwald ist die Reise noch lange nicht vorbei. Mittwoch steht der Mitteldistanz-Bewerb an, Freitag jagt sie im Langlauf über zehn Kilometer. „Ich kenne meine Schwäche: der erste Antritt nach dem Umschlag“, sagt sie. „Daran haben wir die ganze Saison gearbeitet.“ Statistisch geseht liegt ihre Podest-Chance bei 34 Prozent – wenn sie die ersten 300 Meter nach dem Schießen unter 41 Sekunden bleibt. Bei der WM im Januar schaffte sie 39,8. Das ist der Unterschied zwischen Traum und bitterer Realität.
Die 650 Athleten aus 50 Nationen kämpfen bis zum 15. März um 78 Medaillensets. Deutschland hat bereits zwei davon. Recktenwald kann maximal noch vier holen. Die Quote: 0,9 Medaillen pro Starterin. Die Mathematik ist gnadenlos. Die Motivation trotzdem da. „Jeder Start ist ein Neuanfang“, sagt sie. „Und ich habe noch drei.“
