Fichtner schlägt zurück: 4. platz trotz fehler – preuß-vakuum wird zur bühne

6 Sekunden. Genau so viel fehlte Marlene Fichtner zum ersten Weltcup-Podest ihrer Karriere – und genau so viel fehlte dem deutschen Biathlon, um nach dem Ausfall von Franziska Preuß nicht völlig leer auszugehen. Die 22-Jährige aus Ruhpolding jagte sich im finnischen Kontiolahti beim Massenstart von Startplatz 26 bis auf Rang vier, ließ dabei Julia Simon, Elvira Öberg & Co. schwitzen und lieferte den Beweis: Die Zukunft der DSV-Damen beginnt jetzt.

Fehler, fuchsloch, fightback

Ein Patzer in der ersten Liegeposition – für andere das Signal, sich zu verstecken. Fichtner nutzte ihn als Weckruf. „Ich habe gedacht: Jetzt erst recht“, sagte sie nach dem Rennen im ZDF-Interview, das Strahlen im Gesicht trotz Eiseskälte. Mit Tempo 37,4 km/h auf der letzten Runde, das ist kein Zufallswert, sondern GPS-gemessen die schnellste Runde des gesamten Feldes. Dreifache Olympiasiegerin Simon (1 Fehler) konnte sich nur mit zwei sauberen Schießeinlagen vor der Deutschen retten, die Schwedinnen Elvira Öberg (2 Fehler) und Anna Magnusson (1) wurden aufgerieben.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Fichtner verbesserte sich im Vergleich zum Einzelwettkampf vom Donnerstag um einen Platz – und um 38 Sekunden. Ihre Schießzeit lag trotz des einen Fehlers bei 1:47 min, 15 Sekunden schneller als beim Saisonauftakt in Östersund. „Ich habe endlich gelernt, dass Schießen kein Roulette ist, sondern Atmung“, sagte sie trocken. Die Reduktion der Herzschlagfrequenz von 180 auf 124 Schläge pro Minute zwischen den Schüssen dokumentiert das neue Mentalkonzept, das sie mit Mentalcoach Klaus Kärcher erarbeitet hat.

Preuß-vakuum wird zur bühne

Preuß-vakuum wird zur bühne

Ohne Franziska Preuß fehlte die deutsche Leitfigur – doch genau diese Leere wurde zur Chance. Vanessa Voigt (Platz 12), Selina Grotian (15) und Janina Hettich-Walz (17) lieferten sich ein internes Unter-25-Duell, das laut Bundestrainer Mark Kirchner „die Grundlage für die nächsten Jahre“ ist. Fichtner setzte sich an die Spitze dieses Jungstürmchens – und schickt eine Botschaft Richtung Weltcup-Finale in Oslo. Dort will sie nicht mehr nur Zuschauer sein, sondern Akteurin. Die 12,5 km von Kontiolahti waren erst der Prolog.

Am Samstag übernehmen die Männer mit der 4 × 7,5 km-Staffel (15.40 Uhr, live im ZDF und auf Eurosport), am Sonntag folgen die Frauen-Staffel (13.30 Uhr) und der Massenstart der Herren (16.55 Uhr). Für Fichtner heißt es dann: Pause. Aber keine Auszeit. „Ich nehme die Energie mit, nicht die Sekunden“, sagt sie. Wenn sie so weitermacht, werden die nächsten sechs Sekunden nur noch eine Fußnote sein.