Fichtner schrammt an podium vorbei – ihre reaktion ist gold wert

6,2 Sekunden fehlten Marlene Fichtner zum ersten Weltcup-Pokal ihrer Karriere. Die 22-Jährige lief in Kontiolahti als Vierte über die Ziellinie – und lachte trotzdem, als hätte sie gewonnen.

Der lauf, der alles veränderte

Zwei Tage zuvor hatte sie im Einzel bereits Rang fünf geschafft, nun legte sie nach. Mit einer Strafrunde, aber immerhin 18 Treffern aus 20 Schüssen, stemmte sie sich in die Spitzengruppe. Julia Simon (Frankreich) sicherte sich souverän den 19. Weltcup-Sieg, doch hinter ihr entbrannte ein Kampf, der Fichtner innerhalb von Minuten vom Außenseiter zur Anwärterin auf Edelmetall machte.

Die Schwedinnen Elvira Öberg und Anna Magnusson attackierten auf der letzten Runde, Fichtner hielt sich clever im Windschatten. Im Zielsprint schob sie die Stöcke so tief, dass die Zeitmessung kaum den Unterschied zwischen Bronze und Platz vier erkennen konnte. „Ich hab gedacht: Jetzt oder nie“, sagte sie später im ZDF – und meinte nicht nur den Sprint, sondern den Moment, in dem sie sich endgültig aus dem Schatten der deutschen Altstars löste.

Dsv-team zwischen hoffnung und frust

Dsv-team zwischen hoffnung und frust

Vanessa Voigt rutschte nach einem Sturz mit Weltcup-Spitzenreiterin Lou Jeanmonnot noch auf Rang zwölf, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian folgten als 17. und 15. Drei Strafrunden in Summe – das war keine Medaillenrechnung, sondern ein Beweis dafür, wie dünn der deutsche Kader nach dem Rücktritt von Franziska Preuß geworden ist. Fichtner ist jetzt die Konstante, ob sie will oder nicht.

Die Zahlen sprechen für sie: In dieser Saison verbesserte sie ihren Schnitt um 2,3 Sekunden pro Kilometer, die Trefferquote im Stehendanschlag stieg von 78 auf 84 Prozent. „Ich hab gelernt, dass Risiko nicht gleich Fehler bedeutet“, sagt sie – ein Satz, der sich wie ein Motto liest für eine Generation, die ohne Preuß, ohne Dahlmeier und ohne große Medaillensammler auskommen muss.

Die frage lautet nicht mehr, ob sie kommt, sondern wann

Die frage lautet nicht mehr, ob sie kommt, sondern wann

Mit 22 Jahren hat Fichtner gerade erst begonnen, ihre eigene Geschichte zu schreiben. In der Mixed-Zone sprach keiner mehr über die fehlende Medaille, alle fragten nach dem nächsten Rennen. Denn wer so knapp vor dem Podium läuft, landet irgendwann darauf – und bleibt vielleicht dort, wo der deutsche Frauen-Biathlon künftig wieder hingehört: ganz oben.