Rangnick schickt 14 bundesliga-soldaten ins wm-feuer

Der österreichische Teamchef schöpft aus dem Vollen der deutschen Liga – und das mit voller Absicht. Ralf Rangnick nominierte 14 Bundesliga-Profis für die WM in Nordamerika, mehr als jeder seiner Vorgänger jemals wagte.

Ein kader, konstruiert für gegenpressing

„Wir haben nicht einfach die besten Namen gesammelt, wir haben die richtigen Typen für unser Spiel“, sagte Rangnick, während er in Wien den 26-Mann-Flick präsentierte. Dahinter steckt eine klare Philosophie: hohes Tempo, enges Umschaltspiel, deutsche Routine. Die Liga, in der seine Spieler jede Woche an der Grenze kollidieren, soll nun zur Schleuder werden.

Die Defensive liest sich wie ein Werbeflyer der Bundesliga: David Alaba führt, Marco Friedl organisiert, Phillipp Mwene und Stefan Posch liefern die Laufwege. Dazwischen platzierte Rangnick Alexander Prass als spielaufbauenden Linksfuß, der in Hoffenheim gelernt hat, wie man aus der ersten Pressingwelle herausspielt.

Im Mittelfeld wird es laut. RB Leipzig liefert mit Baumgartner, Seiwald und Schlager gleich drei Achter, die schon gemeinsam trainieren. Dazu kommen Sabitzer und Chukwuemeka aus Dortmund – ein Duo, das in der Lage ist, ein Spiel in zwei Sekunden umzudrehen. Konrad Laimer bringt die Bayern-Frische, Romano Schmid den Bremer Ehrgeiz. Und dann ist da noch Paul Wanner, 19, gerade erst von München nach Heidenheim verliehen, aber längst in Rangnicks Videoanalysen verankert.

Jordanien, argentinien, algerien – kein geschenk

Jordanien, argentinien, algerien – kein geschenk

Die Gruppe klingt machbar, ist es aber nicht. Jordanien hat sich über Asien qualifiziert und spielt mit fünf Auslandsprofis, die in Belgien und Frankreich gelernt haben, wie man Räume verengt. Algerien bringt physische Präsenz und einen Riyad Mahrez, der immer noch in der Lage ist, ein Spiel mit einem einzigen Schlenzer zu entscheiden. Und Argentinien? Die kommen als Titelverteidiger, hungrig, weil sie wissen, dass dies ihre letzte gemeinsame Tanzrunde sein könnte.

Rangnick weiß das. „Wir müssen mindestens das erste K.-o.-Spiel überstehen. Alles andere wäre ein Rückschritt gegenüber der EURO“, sagt er und meint damit das Achtelfinale, das Österreich 2021 knapp verpasst hatte. Die Latte liegt also höher, die Zeit drängt. Die Mannschaft reist am 5. Juni ins Trainingslager nach Seefeld, 14 Tage später geht’s gegen Jordanien los.

Die letzte Frage bleibt die Gesundheit. Alaba laboriert an der Schulter, Sabitzer an der Hüfte. Rangnick aber wirkt gelassen. „Wenn sie durchkommen, haben wir eine Mannschaft, die nicht nur mithalten kann, sondern die auch gewinnen will.“ Und dann lacht er, ganz kurz, bevor er die Liste wieder einsteckt. Er weiß: In diesem Sommer zählt nur das Ergebnis. Alles andere war Vorbereitung.