Ramsey-fluch: stirbt wirklich ein star nach jedem tor?

Es ist eine Geschichte, die im Fußballgeschäft seltsamer ist als die meisten Transfergerüchte: Aaron Ramsey und eine angebliche Todesvorhersage. Jedes Mal, wenn der walisische Mittelfeldspieler ins Netz traf, schien ein Prominenter dem Leben zu entgleiten. Was einst als makaberer Witz begann, hat sich zu einer fast schon legendären Anekdote entwickelt, die nun im Zuge Ramseys Abschied vom Fußball erneut auflebt.

Die bizarre geschichte hinter den coincidencen

Die erste Meldung, die die Gerüchteküche anheizte, stammt aus dem Jahr 2009. Nach einem Treffer Ramseys in einem Länderspiel gegen Liechtenstein verstarb der spanische Journalist Andrés Montes. Zwar reine Zufall, aber die Geschichte legte den Grundstein für eine Reihe weiterer, vermeintlicher Zusammenhänge. Im Mai 2011 erzielte Ramsey ein Tor für Arsenal gegen Manchester United, nur um wenige Stunden später von dem Tod von Osama bin Laden erfahren zu müssen. Steve Jobs folgte kurz darauf, dann Muammar Gaddafi. Die Liste der prominenten Todesfälle, die zeitlich mit Ramseys Toren zusammenfielen, schien immer weiter zu wachsen.

Ein Blick auf die Statistik zeigt jedoch, dass es sich um nichts weiter als um bittere Zufälle handeln muss. Wie Statistiker betonen, sind sogenannte „spurious correlations“ – scheinbare Zusammenhänge – im Leben allgegenwärtig. Zwei Ereignisse können zeitlich aufeinander folgen, ohne dass ein kausaler Zusammenhang besteht.

Maledizien im fußball: mehr als nur aberglaube

Maledizien im fußball: mehr als nur aberglaube

Die Geschichte von Ramsey ist jedoch kein Einzelfall im Fußball. Überlieferungen über Flüche und Maledizien ranken sich um viele Vereine und Spieler. Da ist zum Beispiel die sogenannte „Curse of Bela Guttmann“, die den portugiesischen Verein Benfica seit den 1960er Jahren heimsucht. Der ungarische Trainer hatte 1962 nach dem Gewinn der Champions League einen finanziellen Bonus gefordert, der ihm verwehrt wurde. Daraufhin verließ er den Verein mit dem Fluch: „Benfica wird für 100 Jahre keinen europäischen Titel mehr gewinnen.“ – und tatsächlich, seitdem blieb Benfica weitgehend erfolglos in Europa.

Auch in der englischen Premier League gibt es kuriose Geschichten. Der ehemalige New York Metrostars-Verteidiger Nicola Caricola wurde mit einem Fluch belegt, nachdem seine Mannschaft 1996 ein Spiel gegen die New England Revolution verloren hatte. Seitdem soll der Verein, der heute als New York Red Bulls bekannt ist, von Pech verfolgt werden.

Von kane bis gedeck: der schmerz des ewigen zweiten

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Neben den expliziten Flüchen gibt es im Fußball auch das Phänomen der ewigen Zweiten. Harry Kane, der Stürmerstar von Tottenham Hotspur, verkörpert dieses Schicksal wie kaum ein anderer. Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten und zahlreichen Toren blieb ihm der große Triumph verwehrt. Er erlebte bittere Niederlagen in der Champions League, der Europa League und bei zwei Europameisterschaften. Auch sein Wechsel zum FC Bayern München im Sommer 2023 brachte ihm keinen Erfolg, da die Mannschaft dem Bayer Leverkusen die Bundesliga-Krone überlassen musste.

Und schließlich Aaron Ramsey. Sein Abschied vom Fußball wirft die Frage auf, ob die „Ramsey-Fluch“ tatsächlich existiert oder ob es sich lediglich um eine faszinierende Geschichte handelt, die uns daran erinnert, dass im Leben oft mehr Zufall als Logik eine Rolle spielt. Eines ist jedoch gewiss: Solange Fußball gespielt wird, werden Geschichten über Flüche und Maledizien die Fantasie der Fans beflügeln.

Die Statistik spricht für sich: Ramsey beendete seine Karriere mit einem Tor für Pumas UNAM gegen Atlas. Nur wenige Stunden später verstarb der italienische Fernsehmoderator Emilio Fede. Eine weitere makabre Koincidence, die die Geschichte um den walisischen Mittelfeldspieler weiter anheizen.