Raimund wirft beim holmenkollen das handtuch: „ich mache diesen scheiß nicht mit“

Ein einziger Satz, geflüstert, aber live in der ARD-Hörfabrik aufgefangen, lässt den Skisprung-Weltcup am Holmenkollen kurz vor dem Kollaps erscheinen: „Ich werde nicht springen. Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit“, sagt Philipp Raimund, dreht um und stapft zurück in die Startkabine. Der Wind peitscht über Oslo, die Schanze zittert, und mit ihr die Nerven der Veranstalter.

Warum raimunds boykott weit über norwegen hinausgeht

Der Olympiasieger hatte gesehen, was seine Kollegen erdulden mussten. Felix Hoffmann wirbelte wie ein Papierschnipsel durch die Luft, andere rutschen beim Absprung beinahe aus der Spur. Die Windböen erreichen Sturmausläufer-Stärke, doch die Jury lässt den Weltcup weiterlaufen. Für Raimund ein rotes Tuch. Er schert sich nicht um Punkte, sondern um sein Leben – und darum, dass niemand sonst es riskiert.

Tom Bartels, sonst eher kommentierender Chronist als Aktivist, schaltet sich sofort ein: „Da ziehe ich den Hut vor Stefan Horngacher und Philipp Raimund. Gesundheit steht über allem.“ Sven Hannawald stimmt ein, fordert den Abbruch. Doch die FIS-Offiziellen verharren in ihrer Dauer-Loop-Logik: Start frei, egal ob Hagel, Orkan oder Blackout.

Die szene, die die skisprung-szene spalten wird

Die szene, die die skisprung-szene spalten wird

Raimund bleibt nicht bei Worten. Er schnallt die Ski ab, verlässt den Kranzberg, und schon hallt sein Name durch soziale Netzwerke. Die eine Hälfte feiert ihn als Freigeist, die andere nennt ihn Profi-Pfuscher, der der Liga schadet. Dabei hat er nur das getan, was Athleten in jeder anderen Sportart längst tun: Er hat Nein gesagt zu einem Spielplan, der sich über Sicherheitsvorgaben stellt.

Die Statistik liefert ihm Recht: In dieser Saison schon 17 Sturzflüge mit Rettungseinsatz, drei Kreuzbandrisse, ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Zahl steigt, die Jury schweigt. „Wir wollen spektakuläre Bilder“, sagte ein FIS-Funktionär vor zwei Jahren beim Weltcup in Willingen. Heute Oslo, morgen Planica – die Drohkulisse bleibt.

Für Raimund ist der Schritt keine PR-Geste, sondern Notwehr. Er will in vier Jahren wieder bei Olympia starten, nicht auf Krücken sitzen. Wer ihm deshalb Punkte oder Startplätze streichen will, soll es tun – er hat schon Gold. Und der Satz, der als Flüstern begann, wird zur Hymne aller Sportler, die künftig lieber aufhören als abzustürzen.