Rabiot wird zum scudetto-hebel: milan braucht seinen wilds
Ohne Adrien Rabiot stolpert
Milan, mit ihm träumt die Squadra vom Titel. Die Zahl ist so schlicht wie brisant: Mit dem Franzosen an Bord holt Milan 2,3 Punkte pro Spiel, ohne ihn nur 1,4. Die Verwandlung vom Europa-League-Kandidaten zum Meister-Anwärter vollzieht sich also nicht im Trainingslager, sondern in der Person eines einzigen Mittelfeldstrategen.
Der maradona-fluch wartet auf seine entzauberung
Am 6. April geht es für Milan nach Neapel – und Rabiot reist mit einem Makel an. Fünf Mal betrat er das Stadio Maradona, fünf Mal verließ er es als Verlierer. Kein Tor, fünf Gelbe Karten, nur verlorene Punkte. „Für ihn ist das ein persönliches Endspiel“, sagt Staff-Chef Massimiliano Allegri, der den 28-Jährischen sofort nach seiner Rückkehr aus dem US-Trip wieder in die Startelf stellen wird. Dort wird Rabiot dann auch Leao, Pulisic & Co. dirigieren, wie ein Dirigent, der die Lautstärke seines Orchesters stets neu justiert.
Die Statistik lügt nicht: 21 Serie-A-Einsätze, fünf Treffer, vier Vorlagen, 87 % Passgenauigkeit – und ein Lauf, der an jedem zweiten Sonntag 11 km pure Energie verströmt. Doch die eigentliche Macht entfaltet sich zwischen den Daten. Gegen Bologna fehlte er acht Wochen, Milan kassierte in dieser Phase elf Punkte. Als er nach dreiwöchiger Zwangspause gegen Torino zurückkehrte, drehte das Team einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg – mit seinem Traumtor aus 22 Metern als Zündfunke.
Die Kapitäne nennen ihn Cavallo Pazzo, wildes Pferd, weil er spurtet, wenn andere schon Luft holen. Die Analysten nennen ihn „Kreisel“, weil er sich in jedes Dribbling und jeden Zweikampf stürzt, als gäbe es kein Morgen. Und Neapel? Für Neapel hat er bislang nur ein Lexikon voller Frustration parat. Doch genau das macht das Duell am Ostermontag zur perfekten Bühne: Entweder er bricht den Fluch – oder Milan verabschiedet sich aus dem Scudetto-Rennen.
Die Rechnung ist denkbar simpel: Gewinnt Milan im Stadio Maradona, liegt die Mannschaft vor dem direkten Vergleich gegen Inter nur noch zwei Zähler zurück und hätte das bessere Torverhältnis auf ihrer Seite. Verliert sie, wächst die Lücke auf acht Punkte – zu viel, um im Mai noch vom Titel zu sprechen. Rabiot selbst schwieg zuletzt in die Kameras, stattdessen postete er ein Foto aus dem Flieger nach Washington mit den Worten: „Back to business soon.“ Business heißt Neapel. Business heißt Fluch beenden.
Allegri hat schon angekündigt, dass er seine 4-3-3-Formation beibehält – und Rabiot die Rolle des linken Achters gibt, von wo aus er diagonal in den Strafraum sprintet und gleichzeitig die erste Pressing-Linie organisiert. Dazu wird er erstmals seit Wochen wieder mit Tijjani Reijnders zusammenspielen, der als Rechtsverteidiger im Mittelfeld die Räume öffnet. Das Duo erzielte gemeinsam acht Punkte in den letzten fünf Partien, in denen es gleichzeitig auf dem Rasen stand.
Die Frage ist nicht länger, ob Milan den Titel will – die Frage ist, ob Rabiot den Maradona-Fluch endlich abschüttelt. Tutto esposto in 90 Minuten, wie die Italiener sagen: Alles offen in 90 Minuten. Dann wissen wir, ob der Cavallo Pazzo tatsächlich zum Scudello-Reiter wird – oder ob Neapel mal wieder der Ort bleibt, an dem Milans Träume zerplatzen.
