Raab und herbig knallen zurück ins wm-mikro – 23 jahre nach tv-legende
Sie haben den Bayern-Dortmund-Klassiker von 2002 in eine Comedy-Arena verwandelt – jetzt kreischen Stefan Raab und Michael „Bully“ Herbig wieder ins Fußballmikrofon. Am Freitag, 27. März 2026, übernehmen sie für RTL+ und YouTube die Kommentarkulisse des Länderspiels Deutschland gegen die Schweiz. Kick-off 20.45 Uhr, St. Jakob-Park Basel. Und sie versprechen: „live, ungefiltert, garantiert unterhaltsam“.

Warum diese aktion mitten in der wm-heißphase zündet
Die Sendernummer zählt auf drei Faktoren: Nostalgie-Flash, Zweitton-Option, Quotenmagnet. 2002 saßen 8,3 Millionen vor den Bildschirmen, als Raab während der Partie aus dem Off verkündete, Oliver Kahn habe „die Handschuhe in der Waschmaschine vergessen“. Der Clip ging viral, bevor es das Wort überhaupt gab. Jetzt, fast ein Vierteljahrhundert später, holt RTL das Original-Duo zurück, um die jüngere Zielgruppe ab 14-49 zu fangen und parallel zur seriösen Hauptline mit Laura Wontorra, Lothar Matthäus und Edin Terzic eine spaßige Alternativwelt zu bieten.
Die Machart: ein zweiter Audiostream, eingeblendet auf RTL+ und dem YouTube-Kanal „RTL Sport“. Bild bleibt dasselbe, Ton wird geschaltet. Mal schwärmen sie über Jamal Musiala, mal lästern sie über die gelb-roten Schuhsohlen der Schweizer. Produziert wird aus einem Berliner Mini-Studio, Kamera nur auf Gesichter, dafür aber mit Live-Blick auf die Stadion-ISO-Kameras. Keine sieben Sekunden Verzögerung, sonst wäre der Witz zu spät.
Marktbeobachter wittern ein Testballon für künftige Parallelkommentare in der Nations League. RTL sicherte sich bereits die Rechte an drei DFB-Partien im Herbst: 24. September in den Niederlanden, 4. Oktober in Griechenland, 13. November in Serbien. Sollte der Raab-Herbig-Stream quotentechnisch knallen, plant der Sender mehr „Free-TV-Plus“-Formate – ein Modell, das Amazon mit Bundesliga-Konferenzen und Twitch-Streams längst etabliert hat.
Die Internationale Fußball-Föderation beobachtet die Aktion mit halbem Auge. Offiziell ist alles genehmigt, inoffiziell fragt man sich, ob ein Spaßkommentar die Markenrechte der WM-Logos verletzt, wenn auf YouTube Clips hochgeladen werden. RTL-Rechtsabteilung hat die Klipplänge schon durchdefiniert: maximal 90 Sekunden, keine Einspieler mit FIFA-Branding, keine kommerzielle Pre-Roll-Werbung. Alles andere wäre ein Tritt gegen die Rechtehaus.
Für Raab ist es das erste TV-Projekt seit seiner „TV-Total“-Pause 2015. Für Herbig ein Seitenhieb nach der misslungenen „Bully & Rick“-Show im Vorjahr. Beide brauchen keine Quote mehr, sie wollen ein Statement: Fußball darf auch mal kreischen. Ob das funktioniert? Die Antwort liefert schon der erste Pfiff – und die Timeline von Twitter.