Psg eröffnet café auf den champs-élysées – jetzt wird fußball zum lifestyle
Der Champions-League-Sieger setzt seinen Expansionskurs fort – diesmal nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Tresen. Paris Saint-Germain eröffnete am Dienstag das PSG Café direkt auf den Champs-Élysées, eingebettet in die eigene Flagship-Store-Location. Ein Schritt, der zeigt: Der Klub will mehr sein als nur ein Logo auf einem Trikot.
Ein kaffee, bitte – mit stern aus kakao
Bestellung: Ein Cappuccino. Extra: die Champions-League-Sterne als Latte-Art. So liest sich die Speisekarte, die Kreativdirektorin Marine Leclerc zusammen mit Barista-Weltmeister Arnaud Coutard entwarf. Das Motto: „Kaffee trinken wie Neymar feiert“ – glamourös, schnell, Instagram-tauglich. Die Tasse kostet 6 Euro, das T-Shirt daneben 90. Die Gäste kommen trotzdem.
Um 10 Uhr morgens Schlange bis zur Tür. Touristen in Jordans und PSG-Stadienjacken warten auf Selfies mit der goldenen Trophäen-Nachbildung, die in der Mitte des Lokals steht. Ein Blick auf die Uhr: 27 Minuten Wartezeit. Ein Blick auf die Kasse: 7.000 Euro Umsatz in der ersten Stunde. Die Zahlen sprechen französisch – und zwar laut.

Der plan hinter dem espresso
Der Klub investierte 2,3 Millionen Euro in Umbau und Design. Laut internen Papieren, die TSV Pelkum Sportwelt vorliegen, soll der Standort innerhalb von zwölf Monaten break-even erreichen. Dann folgt London. Dann New York. Das Ziel: 25 Cafés weltweit bis 2027. Ein CFO, der lieber anonym bleibt, verrät: „Wir kopieren das Apple-Modell: Produkte, die sich wie Religion verkaufen lassen.“
Dabei ist das Café nur ein Teil des Puzzles. Parallel arbeitet PSG an einer eigenen Musik-Plattform, an Kollaborationen mit Louis Vuitton und an einer NFT-Kollektion, die angeblich bereits 8 Millionen Euro eingespielt hat. Die Botschaft: Wir sind keine Fußballmarke mehr – wir sind ein Kulturimperium, das zufällig auch mal trifft.

Die frage der traditionalisten
Kritik kommt aus der Kurve. Der Fanverband Collectif Ultras Paris wirft der Vereinsführung Kommerzialisierung vor. „Sie verwandeln unser Stadion in eine Mall“, sagt Sprecher Romain Mounier. Er fürchtet, dass sich die Seele des Klubs in Milchschaum auflöst. Die Antwort aus der Chefetage: „Wir finanzieren damit den Kader. Ohne Umsatz kein Kylian Mbappé.“
Tatsache: Der Commercial-Stream steuert inzwischen 43 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Ein Rekord in Europas Top-5-Ligen. Und während die Konkurrenten noch über Ticketpreise diskutieren, sitzt PSG bereits am Tresen – und kassiert mit.
Am Ausgang wartet ein Mädchen in einem selbstgestalteten PSG-Crop-Top. Sie ist 14, kommt aus Tokio und hat 800 Euro Urlaubsgeld dabei. „Ich will alles“, sagt sie und zeigt auf die limitierte Champions-League-Tasse für 150 Euro. Sie kriegt sie – und ein Selfie obendrauf. Der Klub verkauft nicht nur Kaffee. Er verkauft Zugehörigkeit. Und die Leute stehen Schlange, um dazuzugehören.
