Caicedo gegen barça: das letzte aufbäumen des real madrid nach dem 2:6
Um 21.00 Uhr leuchtet das Di Stéfano erneut in grellem Azulgrana. Real Madrid empfängt den FC Barcelona – zum fünften Mal in dieser Saison, zum zehnten Mal in diesem Stadion, das für die Königlichen längst zur Geisterbahn geworden ist. Alle neun bisherigen Heim-Clásicos gegen Barça gingen verloren, 23 der 24 historischen Duelle endeten mit dem besseren Ende für die Katalaninnen. Die Statistik ist kein Druck, sie ist ein Spiegel.
Der 2:6 brennt noch nach
Vier Tage nach der Champions-League-Demütigung will der Klub, der „Impossible is nothing“ auf die Brust wirft, das Unmögliche wagen: ein Sieg, der die eigenen Fans nicht länger als 90 Minuten weiter demütigt. Zehn Punkte Rückstand in der Liga, ein Fuß bereits im Aus – das Spiel ist keine Meisterschafts-Frage, sondern eine Glaubens-Frage. Wer trägt das Weiße mit Stolz, wenn selbst das Weiße blutet?
Die Antwort steht auf dem Rasen: Linda Caicedo. Die 19-jährige Kolumbianerin schoss beide Tore im 2:6, drehte sich dabei durch drei Gegenspielerinnen, als gäbe es kein Morgen. 114 Pflichtspiele, 32 Tore – Statistiken, die sie zur fünftbesten Torjägerin der Klubhistorie machen, obwohl sie erst 2022 eintraf. „Sie fabriziert sich ihre Tore selbst“, sagt Barça-Trainer Pere Romeu respektvoll. „Man muss sie lieben, wenn man sie nicht stoppt.“

Quesadas letzter trumpf
Coach Pau Quesada wirkt wie ein Schachspieler, dem nur noch der Springer bleibt. Er wird Caicedo erneut frei aufstellen, mal als falsche Neun, mal als Rechtsaußen, je nachdem, wie Barça die Lücken öffnet. Kapitänin Misa Rodríguez verspricht: „Linda trägt uns, aber wir müssen sie tragen.“ Die Botschaft: Man kann eine Diva nicht alleine gegen ein Orchester stellen.
Im gegnerischen Lager herrscht trotz der Siegesserie Vorsicht. Romeu kündigt Rotation an, will die Konterchancen abdichten, die Real in der Champions League nutzte. „Jedes Spiel ist ein anderes“, sagt er. „Aber die Intensität bleibt.“ Seine Spielerinnen haben die Parole verstanden: Wer in Madrid nachlässt, wird im Bernabéu ausgepfiffen – selbst bei einem 6:2.

Der countdown läuft
Pünktlich zum Abpfiff am Sonntag könnte Real Madrid entweder die Schmach vergessen machen – oder die Krise endgültig besiegeln. Für Caicedo ist es das zehnte Clásico, für Barça die nächste Chance, die Dominanz mit einem neuen Kapitel zu untermauern. Die Uhr tickt. Das Weiße wartet auf Rettung. Das Blau wartet auf das 24:1. Und Linda Caicedo? Die wartet auf den Moment, in dem sie erneut den Ball annimmt, den Blick hebt und das Unmögliche doch noch möglich macht. Ganz ohne Slogan.
