Prevc fliegt mit offenen schuhen auf rekordkurs – schon bald alle „big five“

Domen Prevc springt mit offenen Schuhen, als würde er die Luft selbst um sich herum umformen. Drei Tage nach seinem Schanzenrekord in Bad Mitterndorf steht der 26-Jährige in Lahti vor der Krönung – und keiner seiner Verfolger ist nahe genug, um seinen Schatten noch zu treffen.

Der düsenjäger aus planica

245,5 Meter, 13 Weltcupsiege in dieser Saison, 761 Punkte Vorsprung. Die Zahlen klingen wie ein Tippfehler, sind aber Realität. „Er fliegt wie ein Düsenjäger, wir tuckern hintendrein“, sagte Philipp Raimund nach Garmisch. Der deutsche Hoffnungsträger blieb bei der Analogie sogar bescheiden: ein Motorsegler gegen Prevc – das trifft es besser.

Die offene Schuhtechnik ist kein Marketing-Gag. Sie erlaubt ihm, die Ski früher in den Wind zu kippen, die Anströmzeit zu verkürzen und die Flugphase länger aufrecht zu halten. Bundestrainer Stefan Horngacher spricht von „einzigartiger Beweglichkeit“, ARD-Experte Sven Hannawald murmelt nur: „Respekt.“

Die uhr tickt für die konkurrenz

Die uhr tickt für die konkurrenz

Noch acht Weltcup-Springen, 800 Punkte zu verteilen. Mathematisch gesehen könnte Kobayashi aufholen. Praktisch sieht es aus, als würde Prevc gegen die Statistik selbst antreten. Gewinnt er am Freitag in Lahti, wäre das der siebte Sieg in Serie – Rekord. Zwei weitere Siege und er übertrifft sogar Bruder Peter (15 Saison-Siege 2015/16). Die Familienpower ist ein eigenes Kapitel: Schwester Nika führt ebenfalls die Gesamtwertung der Frauen. Eltern-Tag im finnischen Lahti inklusive.

Matti Nykänen schaffte 1983 das Kunststück, alle „Big Five“ in einer Saison zu holen. Prevc kann nach 363 Tagen das Gleiche tun – nur schneller. „Ich genieße es gerade sehr“, sagt er. Das klingt lapidar, ist aber die gefährlichste Antwort im Sport: Ein Athlet, der sich keinen Druck mehr macht.

Die Konkurrenz schaut auf die Schanze, dann auf die Anzeigentafel und wieder auf die Schanze. Die Differenz wächst mit jedem Windstoß. Bald wird niemand mehr von „Jagd“ sprechen, sondern von „Ehrenplätzen“. Und Prevc? Der wird weiter nach vorn schauen – und dabei die Geschichte überholen.