Völler weist hoeneß' kritik an nagelsmann zurück: 'faktisch falsch'

Rudi Völler schützt Julian Nagelsmann – und kassiert den Bayern-Ehrenpräsidenten ein. Der DFB-Sportdirektor nennt die Attacken von Uli Hoeneß auf den Bundestrainer „faktisch falsch“ und liefert harte Zahlen, die den Vorwurf des ewigen Experimentierens ad absurdum führen.

Die Szenerie ist bekannt: Hoeneß liefert sich ein Interview, schaltet auf Angriff, und die Fußball-Republik diskutiert. Diesmal hatte der Münchner Ehrenpräsident beim Streaming-Dienst DAZN durchgegriffen und Nagelsmann gerügt, er schaffe es nicht, „zweimal hintereinander mit derselben Elf“ aufzulaufen. Eine Mannschaft ohne Konstante, so Hoeneß, könne in den USA, Mexiko und Kanada nicht überraschen.

Die antwort folgt prompt – und sie ist ungewohnt scharf

Die antwort folgt prompt – und sie ist ungewohnt scharf

Völler, sonst ein Meister der deeskalierenden Floskel, zieht die Karten auf den Tisch. „Seit Beginn der WM-Quali waren bei jedem Spiel mindestens fünf potenzielle Stammspieler verletzt“, sagt er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Personal-Rochaden seien „kein Schönheitstanz, sondern reine Notwendigkeit“. Wer das ignoriere, betreibe „Populismus statt Analyse“.

Dabei betont der 1990er-Weltmeister, er nehme Hoeneß’ grundsätzliches Recht auf Kritik ernst. „Uli hat sich in seinem Leben Fußball-Wissen angeeignet, das ihn berechtigt, laut zu werden“, so Völler. „Aber wenn Behauptungen auf Faktenbasar treffen, muss man sie korrigieren.“ Das angebliche Einspiel-Defizit vor der WM? „Ein Mythos.“ Die ständige Rotation? „Medizinisch erzwungen.“

Die interne Diskussion ist damit längst nicht beendet. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte Hoeneß’ Interview bereits als „einfach unnötig“ gegeißelt und auf die „außerordentliche Schlagkraft“ verwiesen, die Nagelsmann derzeit entgegengebracht werde. Die Zahlen sprechen für den Bundestrainer: 14 Punkte aus den letzten fünf Pflichtspielen, 13:2 Tore – und ein Kader, der trotz Verletzungsmisere Tiefe vermittelt.

Hoeneß’ These, erst eine feste Elf schmieden zu müssen, um bei der WM mitzuspielen, klingt angesichts moderner Periodisierung und Reha-Geografie wie ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert. Nagelsmann setzt auf Läufervolumen, multiplikative Rollen und individuelle Lastensteuerung – Konzepte, die eine Startelf-Philosophie obsolet machen. Völler untermauert das mit einer simplen Frage: „Wer soll auf Linksverteidigung spielen, wenn kein gesunder Linksverteidiger da ist?“

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Hoeneß seine Kanonen noch einmal lädt oder ob die Faktenlage ihn zum Schweigen bringt. Klar ist: Die Nationalelf reist mit Selbstvertrauen, nicht mit Selbstzweifeln in das Turnier. Und Völler hat die Kasse für weitere Rundumschläge gegen den Bundestrainer geschlossen.