Montella spielt nur noch um sein gesicht – trotz aus: türkei will usa ärgern
Um 4.00 Uhr deutscher Zeit, wenn in Los Angeles gerade der Vorhang fällt, betritt Vincenzo Montella ein Spielfeld, auf dem schon lange nichts mehr zu holen ist. Die Türkei ist ausgeschieden – aber der italienische Coach spielt seine dritte und letzte Gruppenphase wie eine Endstation: um seinen Kopf, um Rückendeckung und um die Chance, dass die Rückflugkarte nicht zur Einbahnstraße wird.
Der traum zerplatzt nach 24 jahren wm-abstinenz
Montella war gefeiert worden, als er die Türken nach fast einem Vierteljahrhundert wieder zur Weltmeisterschaft führte. Dann kam Neuseeland, dann Paraguay – zwei Niederlagen, zwei blutige Nasen. Plötzlich klang jede Analyse wie ein Nachruf. Dass die Schicksalsschläge von Schiedsrrichterentscheidungen getrieben waren, interessiert nur noch Historiker. Was zählt, ist Samstagmorgen gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden USA.
Arda Güler, Kenan Yıldız und Hakan Çalhanoğlu – die Stars, die in der Quali noch alles trafen, blieben im Turnier die ganze Zeit im Schatten. Das Trio hat noch nicht einmal eine xG-Summe von 1,0 – eine Nullnummer, die Montella nachts wach hält.

Usa rotieren, türkei zündet die turbo-taste
Mauricio Pochettino dagegen kann es sich leisten, den Kader zu schleudern. Folarin Balogun sitzt vorsorglich draußen, eine Gelb-Sperre droht. Stattdessen bekommen Ricardo Pepi und Giovanni Reyna Laufzeit, während die USA ihre Tor-Differenz schonen wollen. Die Motivation ist Urlaubsstimmung – genau das könnte die Türkei nutzen.
Buchmacher sehen ein offenes Match: „Beide Teams treffen“ (BTTS) steht bei 1,67 auf Stake und 1,66 auf Starcasino. Die Quote driftet nicht, weil die Analysten rechnen, dass die Türken mit letzter Kraft nach vorne rennen und Pochettino ohne Druck mitspielen lässt. Wer auf Ecke-Feuerwerk setzt, findet „über 8,5 Ecken“ bei 1,57 bei PokerStars – eine Zahl, die in der Gruppenphase schon dreimal überschritten wurde, wenn mindestens ein Team unter Zugzwang stand.

Montellas letztes gefecht: prestige oder exitus?
Die türkische Fußball-Föderation ließ durchsickern, dass Montellas Job bis zum Confed-Cup gesichert sei. Doch Gerüchte laufen bereits, dass der Verband mit Okan Buruk und Sergen Yalçın spricht. Ein 0:3 gegen die zweite Garde der USA wäre ein Statement, das nicht nur die Statistik trifft – es wäre ein Makel auf Montellas bislang makelloser Vita.
Um 6.00 Uhr deutscher Zeit ist klar: Entweder fliegt die Türkei mit erhobenem Haupt oder Montella fliegt allein. Die Wette des Abends lautet: Wird die Mannschaft für ihren Trainer nochmal alles geben? Die Antwort steht 90 Minuten später – und sie wird laut.
