Tunisien feuert trainer nach klatsche – und holt den argentinier-killer

Keine 24 Stunden nach dem historischen 1:5 gegen Schweden sitzt Sabri Lamouchi auf dem Abstellgleis. Die tunesische Föderation schickte den Coach am frühen Morgen per Live-Schaltung in allen Staatskanälen nach Hause. Seine Nachfolge übernimmt niemand Geringerer als Hervé Renard, der Mann, der Saudi-Arabien 2022 Argentinien den ersten Stolzversalzer verpasste.

Vom rauswurf zum rückzieher – und zurück

Gestern Abend noch hatte die FTF offiziell von einem "Vertrauensvotum" gesprochen. Dann sickerten Videos durch, die Lamouchi in der Kabine angeblich mit Spielern, Betreuern und wütenden Fans aneinandergeraten zeigen. Die Bilder gingen viral, der Druck wurde unerträglich. Um 07:47 Uhr Ortszeit verkündete Präsident Wadie Jary in knappen Worten: "Der Vertrag mit Sabri Lamouchi ist fristlos aufgelöst."

Die Zahl 5:1 brennt. Fünf Gegentore, eine Halbzeit lang nur zwei Ballkontakte im gegnerischen Strafraum – das reicht nicht mal für einen Punkt im Bürokratiestress von Tunis.

Renard kehrt zurück in die männerwelt

Renard kehrt zurück in die männerwelt

Nur drei Monate nach seiner Trennung von Saudi-Arabien sitzt der Franzose wieder auf heißem Weltmeisterschaftsstuhl. Renard hatte die Saudis nicht nur zur Endrunde geführt, sondern gegen Lionel Messi & Co. mit der größten Sensation der WM-Geschichte für Furore gesorgt. Danach wechselte er zur französischen Frauen-Nationalmannschaft, doch das Abenteurerherz schlägt offensichtlich lauter in der Männerzone.

Sein Vertrag läuft bis 2026, mit Option auf eine Verlängerung, sollte Tunesien die K.o.-Runde erreichen. Ein ehrgeiziges Ziel: aktuell steht das Team nach Spieltag eins auf Rang vier der Gruppe H.

Kein einzelfall, aber besonders brisant

Kein einzelfall, aber besonders brisant

Trainerentlassungen mitten im Turnier? Gab’s schon öfter. 1998 flog Henryk Kasperczak nach zwei Niederlagen, 2018 jagte Spanien Julen Lopetegui zwei Tage vor dem ersten Pfiff. Doch die Geschwindigkeit diesmal ist neu: keine Krisensitzung, keine Teambesprechung – ein einziges Debakel, und die Guillotine fällt.

Die nächste Hürde kommt schnell: am 21. Juni gegen Mexiko. Renard hat fünf Tage, um eine zerrissene Truppe wieder zusammenzubasteln und dem Fußballvolk von Tunis eine neue Hoffnung zu servieren. Die Fans jedenfalls feiern bereits – mit dem Hashtag #RenardRetter, der seit Stunden auf Platz eins der tunesischen Trends klettert.

Wenn Tunesien in vier Tagen aufläuft, wird ein Mann auf der Bank sitzen, der schon bewiesen hat, dass er Titelträume zerdrücken kann. Die Frage ist nur: reicht seine Magie diesmal für die eigene Mannschaft?