Krieg lahmt paralympics-anreise: ipc rettet winterspiele in letzter sekunde

Der Nahe Osten brennt, und die Flammen erreichen Mailand. Während 665 Athleten auf ihre Premiere in Verona warten, sitzt Australiens Alpin-Star Michael Milton mit Frau und zwei Kindern im Wartesaal von Doha fest – er ist nur einer von Dutzenden, die den Krieg mitten ins Herz der Paralympics tragen.

Statt skibindung jetzt schleichweg: ipc schweigt zu konkreten zahlen

Statt skibindung jetzt schleichweg: ipc schweigt zu konkreten zahlen

Kein Zeitplan. Keine Garantie. Keine Aussage zum Status einzelner Delegationen. Das ist die knallharte Antwort des Internationalen Paralympischen Komitees, das seit Tagen „intensiv“ an Lösungen tüftelt, aber lieber schweigt als spricht. Die Luftraumsperre über dem Kriegsgebiet wirkt wie ein Schleusenvorhang: Oben Flugverbot, unten ein Albtraum aus Umleitungen, Krisenstäben und fragenden Blicke.

Dabei tickt die Uhr gnadenlos. Am Freitagabend eröffnet Verona sein 2.000 Jahre altes Amphitheater für die Winterspiele, 24 Stunden später fallen die ersten Startzeiten. Wer nicht pünktlich im Fond der Alpina-Busse sitzt, fliegt buchstäblich aus dem Programm. Die Athleten sind in Europa, sagen die Veranstalter. Aber Europa ist groß, und Stunden werden zu Minuten, wenn Visum, Transfer und Equipment gleichzeitig klappen müssen.

Die Ironie: Das IPC feierte sich erst vor Wochen für eine „inclusive Games without barriers“. Jetzt errichten Konflikte genau jene Barrieren, die man abschaffen wollte. Die Athleten aus Nahost-Regionen sind es gewohnt, Hürden zu nehmen – aber nicht, wenn sie aus der Luft fallen.

Die Frage ist nicht mehr, ob alle starten können. Die Frage ist, wie viele ihre Traumstartnummer abgeben müssen, weil ein Funken geopolitischer Realität auf italienischen Schneefall trifft. Und während das IPC intern Krisenpläne schraubt, zählt Milton in Doha die Stunden bis zur nächsten Absage. Seine Stimme klang im NPR-Interview nicht nach Protest – sondern nach Erschöpfung.

Die Winterspiele werden stattfinden, das verspricht das Komitee. Aber der Sport wird diesmal nicht nur über Sieg und Niederlage berichten, sondern darüber, wer es überhaupt zur Startlinie schafft. Die wahre Medaille der Spiele 2026 heißt Ankunft. Wer sie erhält, entscheidet sich gerade am Horizont von Doha.