Chaostag in dortmund: bayern-ultras stürmen block, bvb erstattet strafantrag
Bayern-Fans wollten ohne Tickets rein, die Polizei zog Schlagstöcke, der BVB erstattet Strafantrag wegen Hausfriedensbruch – und die Südtribüne fordert Freiheit für Gästefans. Das 2:3 am Samstag war nur Nebensache.
Geplanter sturm auf den gästeblock
Die Videos sind eindeutig, sagt Polizeivize Achim Stankowitz. Sie zeigen, wie rund 30 Münchner Ultras am Samstag um 17.20 Uhr versuchen, mit gefälschten oder schwarzen Tickets den Block 65 zu überrennen. Arbeitsteilig, so die Einschätzung, gezielt, gewaltsam. Die erste Reihe bleibt daraufhin leer – Protest der Szene gegen „exzessive Polizeigewalt“, wie sie selbst behauptet.
Die Gegenrechnung folgt binnen Stunden. Stankowitz‘ Pressemitteilung spricht von „reflexhafter Schuldzuweisung“ und klagt mangelnde Selbstreflexion innerhalb der Fanszene. Die Bilanz: 30 Strafanzeigen, fünf verletzte Beamte, ein Ordner mit Prellungen, vier Unbeteiligte wegen bengalischer Feuer. Pyro im Sektor, Reizgas im Tunnel, Schlagstöcke gegen Rippen – das Topspiel beginnt unter dem Geruch von Pfefferspray.

Vertrauen zwischen bvb und polizei auf tiefststand
Das Problem ist nicht neu. Ende Januar rückte die Dortmunder Kripo mit Durchsuchungsbeschluss ins Fanprojekt ein, beschlagnahmte Handys, Daten, Vertrauen. Die Fanhilfe sprach damals vom „Tiefpunkt“ der Zusammenarbeit. Nun die nächste Eskalation – und wieder steht der Verein zwischen eigenen Anhängern und dem Gesetz.
Der BVB reagiert mit Härte. Strafantrag wegen Hausfriedensbruch liegt vor, Sicherheitsabteilung liefert Kameras an die Staatsanwaltschaft. Die Südtribüne kontert mit einem Banner: „Freiheit für Gästefans in Dortmund“. Die Ironie: Gerade der Klub, der sich jahrelang als Fanfreundlichkeits-Vorreiter inszenierte, muss nun Beweise gegen Zuschauer liefern.
Bayern München schweigt bislang offiziell. Intern ist man verschnupft, weil die eigenen Hooligans das Image des Rekordmeisters wieder mal auf dem Rücken der Profis tragen. Kein Wort von Vorstandsboss Dreesen, kein Statement von Kapitän Kimmich – der nach dem Abpfiff ohne Gästechor in den Bus steigt, weil die ersten zwölf Reihen leer bleiben.
Die Liga schaut weg. DFB und DFL liefern Standardfloskeln, verweisen auf Sicherheitskonzepte, die offenkundig versagen. Die Wahrheit: Die Gewalt wandert mit jedem Spieltag mit, nur die Schauplätze wechseln. Köln, Frankfurt, nun Dortmund – nirgends ist der Fan mehr Gast, überall ist er Verdächtiger.
Am Ende steht eine Zahl, die alles sagt: 30 Strafverfahren an einem Abend. Das ist kein Fußballfest, das ist ein offener Konflikt – und die nächste Runde ist schon terminiert. Am 30. Spieltag kommt Bayern wieder nach Dortmund. Dann wird kein Banner mehr reichen.
