Dfb ermittelt nach dabrowski-platzwunde: „scheiß-geschäft" wird teuer
Die Partie war gelaufen, das Mikro noch warm – und Christoph Dabrowski lieferte den DFB sofort den nächsten Fall. Nach dem 1:2 der abstiegsbedrohten Veilchen in Mannheim schäumte der Coach von Erzgebirge Aue über Schiedsrichter Timon Schulz, prügelte verbal auf die ohnehin brisante Tor-Entscheidung ein – und kassierte prompt ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen die Offiziellen-Ehre.
Lattenunterkante, keine linie, volle kanne
Was genau den 44-Jährigen zur Schnappatmung trieb, liegt auf Pixeln fest: Terrence Boyds 2:1 prallte von der Lattenunterkante, rollte entlang der Linie, wurde laut TV-Bildern nicht ganz hinterbracht – zählte dennoch. Für Aue der vorläufige Todesstoß im Abstiegskampf, für Dabrowski der berühmte Tropfen. „Ich brauche mir den Scheiß nicht mehr angucken“, giftete er bei MagentaSport und fragte den Unparteiischen direkt, „ob er überhaupt alt genug ist für diese Liga“.
Der DFB-Kontrollausschuss reagierte am Dienstag mit dem Offiziellen-Verfahren, das bis Mittwoch 12 Uhr eine Stellungnahme des Trainers einfordert. Strafrahmen: mindestens Sperre plus Geld, maximal mehrere Spiele Sperre und einer der teuersten Wutausbrücke der Saison. Aue liegt auf Platz 18, neun Zähler hinter dem ersten Nicht-Abstiegsplatz – und nun auch einen Trainer tiefer in der Bredouille.

Schiri-chef widerspricht – halbherzig
Alexander Feuerherdt, Medienchef der DFB-Schiri GmbH, räumte gegenüber der Freien Presse ein: „Die TV-Bilder legen nahe, dass diese Entscheidung nicht korrekt war.“ Dennoch verteidigt der Verband den 25-jährigen Schulz in Punkto „Zweikampfbewertung, Disziplinarkontrolle und Persönlichkeit“. Für Dabrowski zählt nur der Befund: sein Klub rutscht tiefer in die Regionalliga-Spirale, er selbst vor den DFB-Richter.
Die Auer Spieltags-Pleite war der sechste Sieglose in Folge, das Tor die perfekte Illustration ihrer Saison: viel Pech, noch mehr Frust. Und ein Trainer, der die letzten Hemmungen verloren hat. Wenn das Verfahren rollt, droht Aue nicht nur der sportliche Absturz, sondern auch die nächste personelle Baustelle. Die Frist läuft. Die Liga schaut zu. Und Dabrowski? Der darf sich fragen, ob sein explosiver Rundfunkauftritt das letzte Wort war – oder der Anfang vom Ende.
