Italienischer fußball in der krise: abodi droht mit zerschlagung?
Rom – Der italienische Fußball steckt in der Bredouille. Ein Skandal um mutmaßliche Designator-Manipulationen und die Reaktion Sportminister Andrea Abodis lassen die ohnehin angespannte Lage weiter eskalieren. Droht nun ein radikaler Umbruch, ja sogar ein Kommissarbefehl?
Die vorwürfe gegen rocchi und die verunsicherung im verband
Im Zentrum des Sturms steht der Video-Schiedsrichter-Koordinator Rocchi, gegen den die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt. Ein ehemaliger Schiedsrichterassistent hatte Betrugsvorwürfe erhoben, die nun offenbar ernst genommen werden. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Der Umgang des Fußballverbands (FIGC) mit der Beschwerde wird von Minister Abodi scharf kritisiert. Er wirft dem Verband mangelnde Transparenz und eine unzureichende Prüfung der Vorwürfe vor.
„Es gibt nur einen Weg, das Sportwesen in all seinen Facetten zu schützen“, twitterte Abodi gestern Abend. „Transparenz, Schnelligkeit und Gleichbehandlung sind unerlässlich, insbesondere wenn es um mögliche Verstöße gegen die Sportordnung geht – und umso mehr, wenn strafrechtliche Konsequenzen drohen.“ Die Andeutung ist klar: Der FIGC hat versagt.

Coni unter druck: kommissarbefehl im raum?
Die Situation ist brisant, da Abodi für eine umfassende Reform des italienischen Fußballs plädiert, die über die Wahl des neuen Verbandspräsidenten hinausgeht. Er fordert jetzt Informationen vom Nationalen Olympischen Komitee (CONI), dem Dachverband des italienischen Sports. Sollten sich die Vorwürfe gegen Rocchi und den FIGC bestätigen, schließt Abodi „Konsequenzen“ nicht aus. Und das könnte bedeuten: Einen Kommissarbefehl.
Ein Kommissarbefehl ist ein drastisches Mittel, das der CONI ermöglichen würde, die FIGC zu entmachten und einen eigenen Verwalter einzusetzen. Präsident Luciano Buonfiglio des CONI hat diese Option bislang stets zurückgewiesen, doch der Druck durch Abodi wächst. Die Frage ist, ob Buonfiglio angesichts der anhaltenden Skandale und der öffentlichen Empörung standhalten kann.

Ein juristisches minenfeld: anfechtungen und mögliche konsequenzen
Der Weg zu einem Kommissarbefehl ist jedoch alles andere als einfach. Er könnte von Gravina, dem amtierenden Präsidenten des FIGC, gerichtlich angefochten werden. Es gäbe Präzedenzfälle, wie 2018, als die Verlängerung eines Kommissariats in der FIGC vom Verwaltungsgerichtshof (TAR) für ungültig erklärt wurde. Ein solches Urteil würde Buonfiglio in eine schwierige Lage bringen und seine Glaubwürdigkeit erheblich beschädigen.
Die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft laufen weiter, und die kommenden Tage werden entscheidend sein. „Die Kugel rollt“, so ein Informant aus dem FIGC-Umfeld. „Es ist eine Zitterpartie für alle Beteiligten.“ Ob die italienische Fußballlandschaft dadurch gestärkt oder weiter destabilisiert wird, bleibt abzuwarten.
