Bari wirft alles in die waagschale: sudtirol droht der absturz in die c

Die letzte Rettungsinsel der Serie B trägt Namen San Nicola. Am Freitagabend (20 Uhr) empfängt der SSC Bari im Hinspiel der Relegation den FC Südtirol – und plötzlich ist alles offen, was vor Wochen noch wie ein sicherer Abstieg aussah.

Longo schmeißt die pokale aus dem schrank

Moreno Longo kehrte im März zurück, als die Pugliesen bereits abgeschrieben waren. Seitdem sammelte sein Team neun Punkte aus fünf Spielen, darunter der 2:3-Coup in Catanzaro am letzten Spieltag. Die Tabelle spricht trotzdem gegen den Favoriten: 40 Zähler stehen gegen 41 – und damit reichen den Gästen zwei Unentschieden.

Die Buchmacher reagieren mit Vorsicht. Unter 2,5 Tore wird bei Bet365 mit 1,57 quotiert, Eurobet zahlt 1,58. Die Logik: Wer nicht verlieren muss, rennt nicht. Doch genau das ist der Haken. Fabrizio Castori musste sich nach zehn sieglosen Partien in der Länderspielpause sogar Erklärfrist geben lassen. Der 1:1-Heimpleite gegen Juve Stabia vor eigenem Publikum folgte ein Krisengespräch mit der Geschäftsführung. Der Coach überlebte – und trägt nun die volle Verantwortung.

Castori spielt poker, longo muss all-in

Castori spielt poker, longo muss all-in

Das 2:1 vom 15. Februar im San Nicola? Vergessen. „Ein anderes Bari“, sagt Longo, „mit anderen Nerven.“ Er wird auf die Doppelspitze Motta-Cheddira setzen, hinten auf den wieder genesenen Vicari. Die Aufstellung ist klar, die Marschroute auch: früh stören, die Flügel überladen, das erste Tor erzwingen. Wer in Führung liegt, zwingt den Gegner aus der Deckung.

Castori dagegen kann sich ein 0-0 erlauben – theoretisch. Praktisch wäre es das sechste Remis in Folge, und die jüngste Bilanz lügt nicht: nur vier Tore in den letzten acht Spielen. Der Coach wird seine Fünferkette wohl auf eine Sieben ummodeln, um den Tempogewinn der Hausherren zu bremsen. Die Frage ist nur, wie lange die weiße Weste hält, wenn das Mittelfeld mit Odogwu und Casiraghi kaum noch nach voren trägt.

Die Wetterprognose verspricht 22 Grad und leichten Wind aus Südost – ideale Bedingungen für einen lauen Abend, der aber nach dem letzten Pfiff in ein Kesseltreiben münden kann. Die Rückspiel-Tickets sind bereits ausverkauft, am Freitag werden 48.000 in der alten Arena erwartet. Ein Ort, der weiß, wie schnell sich Stimmung in Panik und zurück verwandelt.

Die Buchmacher sehen ein leichtes Plus für Bari (Sieg 2,10), doch der echte Wert liegt im Halbzeit-Unentschieden (2,00 bei Snai). Wer die Zahlen studiert, stellt fest: In fünf der letzten sechs Relegations-Hinspiele hielten beide Teams die Null bis zur Pause. Die Nerven sind rostig, die Beine schwer. Und dann kommt noch ein Detail hinzu: In keinem der bisherigen neun Duell dieser beiden Klubs fielen mehr als drei Treffer. Die Geschichte spricht für Vorsicht – die Gegenwart für ein kleines Wunder.

Longo hat seine Spieler in dieser Woche mit Videos der 2009er Rettung gegen Novara eingeschworen. Castori wiederum verteilte Armbänder mit der Aufschrift „41 Punti – 41 Minuten“, eine Reminiszenz an die vermeintlich sichere Ausgangslage. Symbolik hin oder her: Am Ende zählt nur, wer den letzten Fehler macht. Und der wird kommen, spätestens wenn in der 80. Minute die Schlagzeilen bereits formuliert sind und ein einziger Konter die Saison in ein zweites Finale schickt.

Wenn der Schiri am Freitag pfeift, beginnt für Bari die 90-minütige Verlängerung der Hoffnung. Für Südtirol die 90-minütige Qual der Wahl: Angriff und Risiko, oder Deckung und Zittern? Die Antwort entscheidet darüber, ob am 22. Mai in Bozen noch einmal gespielt wird – oder ob die C bereits jetzt ihre neuen Gäste begrüßt.