Pogacar zerlegt strade bianche nach 80 km alleinfahrt – siena jubelt

80 Kilometer vor dem Ziel schaltete Tadej Pogacar auf Rasierklingen-Modus. Was danach geschah, glich einer Generalprobe für die Saison 2026: Die Konkurrenz zerbrach an seinen Schotter-Ausbrüchen, die Verfolger verrodelten sich gegenseitig, und die Toskana erlebte den dritten Pogacar-Solo in Serie. Am Ende stand der vierte Strade-Bianche-Triumph – und ein neues Fragezeichen im Klassement aller Welt.

Pogacars frühjahrstrauma für die konkurrenz beginnt schon im februar

Die Zahl ist keine Fußnote, sondern ein Warnschuss: Seit 2022 gewann der Slowene alle vier Strade-Bianche-Ausgaben, in denen er startete. 2026 setzte er nach 184 km den Stempel „nicht erreichbar“ auf, ehe die Saison richtig begonnen hat. UAE-Teammanager Joxean Fernández Matxin rechnete nach dem Rennen vor: „Wir haben nicht einmal ein Getriebe gewechselt. Die Jungs haben nur durchs Funkgerät gebeten, endlich aufzuhören, weil die Lücke bei fünf Minuten schon peinlich wurde.“

Die Lüge vom offenen Rennen hielt genau 12 Sekunden. Auf dem zehnten Stück weißer Staub zog Pogacar die Reißleine, Thomas Pidcock sackte wegen Kettenpech ab, Remco Evenepoel schüttelte kurz den Kopf und verzog sich ins Mittelfeld. Danach war es ein Ein-Mann-Film, in dem die Nebendarsteller nur noch Staub schluckten.

Deutsche sprinter bleiben außen vor – siena wird zur ein-mann-show

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Paul Seixas, 19 Jahre alt, wurde zur Trostpreis-Statue. Seine Minute Rückstand klingt nach Hoffnung, war aber die logische Folge eines Rennens, das sich nach Kilometer 104 in zwei Kategorien aufteilte: Pogacar und der Rest. Hinten rangen Isaac del Toro, Matteo Jorgenson und ein verkrusteter Wout van Aert noch um das Podest – ein Schauspiel, das die Zuschauer auf der Piazza del Campo höflich quittierten, dann aber wieder nach vorn schauten, wo der Weltmeister bereits den Champagner kaltstellte.

Kein deutscher Fahrer schaffte es in die Top-30. Maximilian Schachmann kam auf Platz 43, Emanuel Buchmann wurde 56. Bundestrainer André Schulze kommentierte nüchtern: „Wir haben gesehen, wo die Latte liegt. Wer in Siena mitfahren will, muss nicht nur Schotter ertragen, sondern auch 6,2 Watt pro Kilo über vier Stunden treten. Das schafft aktuell nur eine Person auf dem Planeten.“

Mailand-sanremo droht das nächste duell – van der poel wartet mit offener rechnung

Am 21. März folgt die „Primavera“. Mathieu van der Poel gewann 2025 in der Via Roma, doch die Niederlage von Strade Bianche nagt. „Ich kenne Tadejs Zahlen“, sagte er nach dem Zieleinlauf in Siena. „Wenn er so früh attackiert, kannst du nur zwei Dinge tun: mitreißen oder wegsehen. Ich habe heute weggesehen. In Sanremo wird die Geschichte anders.“

Der Kalender verspricht Spektakel, doch die Protagonisten werden altbekannt. Pogacar hat 2026 bereits 1.150 Rennkilometer auf dem Buckel, ohne auch nur einmal in die Defensive geschoben worden zu sein. Sein nächstes Ziel ist nicht nur der zweite Sieg in der „Primavera“, sondern die psychologische Vormachtstellung vor der Frühjahrs-Klassiker-Saison. Wer bis April eine Antwort auf den slowenischen Solisten findet, darf sich selbst als Tour-Favorit bezeichnen. Bisher sieht niemand so aus.