Deutschlands rugby-elf stürzt in die zweite liga: schweiz demütigt dsv in yverdon
25:35 – die Zahlen brennen sich ins Gedächtnis von Mark Kuhlmann. Mit dieser Niederlage in Yverdon-les-Bains schickt die Schweiz die deutsche Rugby-Nationalmannschaft zurück in die Provinz. Nach zwei Jahren Championship ist Schluss, der Abstieg in die Europe Trophy besiegelt.

Kuhlmanns truppe spielte sich mit zeitstrafen selbst aus dem rennen
Der Bundestrainer sprach hinterher von «Weltklasse und Kreisklasse», die bei seinem Team zu eng beieinanderlägen. Tatsächlich lieferte die DSV-Elf eine schizophrene Vorstellung ab: Zwischendurch blitzte Temporugby auf, doch die eigenen Fehler schaufelten den Schweizern einen 15:10-Pausenvorsprung herbei. Nach Wiederanpfiff bröckelte die deutsche Abwehr, die Angriffe verpufften am mangelnden Ballbesitz.
Die Statistik liest sich für deutsche Rugby-Fans wie ein Horror-Skript: nur 38 Prozent Besitzphase, sieben Turnovers, drei gelbe Karten. «Wir wussten, um was es geht», sagte Kuhlmann, «aber wir haben es uns mit den Zeitstrafen extra schwer gemacht.» Die Schweizer nutzten jede Unterzahl gnadenlos aus und zogen auf 28:15 davon. Ein spätes deutsches Anschlusstry war nur noch Ergebniskosmetik.
Für Deutschland bedeutet das: Am 15. März in Madrid lauert das letzte Gruppenspiel – aber nur noch als Schaulaufen. Die Relegation ist unwiderruflich verpasst, der zweijährige Championship-Zyklus endet mit dem letzten Platz. Ab nächster Saison geht es gegen Teams wie Moldawien oder die Ukraine, statt gegen Portugal und Georgien.
Der Verlust der Top-Kategorie kostet den Deutschen Rugby-Verband rund 250.000 Euro TV- und Sponsorengelder. Doch der finanzielle Schmerz folgt auf dem Fuße des sportlichen. In der Championship bekam der Nachwuchs Gesichter, die sich motivieren ließen; in der Trophy droht ein Talentsog ins Ausland, weil das internationale Niveau sinkt.
Kuhlmann muss nun eine neue Philosophie verkaufen: weniger Ruhm, mehr Entwicklung. Die Frage ist, ob der 47-Jährige dafür noch das Vertrauen der Basis besitzt. Er selbst klang wie ein Trainer, der weiß, dass die Rechnung kommt: «Wir haben es selbst in der Hand gehabt – und es nicht genutzt.» Das ist kein Satz, der Ruhe verspricht, sondern eher der Auftakt für einen harten Sommer im deutschen Rugby.
