Pogacar jagt den mythos: merckx lüftet das geheimnis von sanremo
298 Kilometer, keine nennenswerten Steigungen, ein sprintstarker Weltmeister im Nacken – für Tadej Pogacar klingt Mailand-Sanremo wie ein Rätsel, das sich nach fünf Versuchen noch immer nicht löst. Am Samstag startet der Slowene zum sechsten Mal bei „La Primavera“, und diesmal flüstert niemand Geringeres als Eddy Merckx ihm die Lösung ins Ohr.
Warum der poggio der schlüssel ist – und die cipressa eine falle
Merckx, siebenfacher Sieger des Klassikers, warnt vor einem frühen Solo auf der Cipressa. „Selbst wenn du Tadej Pogacar heißt, schafft der Gegenwind auf den letzten 22 Kilometern das, was ganze Teams nicht schaffen: dich einholen.“ Der 80-jährige Belgier rät stattdessen zum späten Stich auf dem Poggio, wo nur noch 5,7 Kilometer bis zur Via Roma bleiben. Dort, so Merckx, sei die Luft dünner – und die Nerven der Verfolger auch.
Pogacar selbst probierte beide Varianten. 2025 griff er auf der Cipressa an, fuhr 20 Kilometer allein, wurde aber von Mathieu van der Poel und Filippo Ganna im Sprint noch um den Sieg gebracht. Die Statistik lügt nicht: Je länger der Fluchtversuch, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Sieg ein Platz drei wird.

Van der poel reist als lebende warnung an
Der Niederländer lieferte bei Tirreno-Adriatico zwei Etappensiege und einen Solosieg in Nieuwsblad ab. Merckx sieht in ihm den gefährlichsten Gegner: „Wenn er dieses Niveau mit nach Sanremo bringt, muss Pogacar die Sekunde seines Angriffs auf die Millisekunde treffen.“ UAE-Sportdirektor Fabio Baldato glaubt dennoch an ein frühes Solo. „Ja, das ist möglich“, sagt er knapp – und erntet von Merckx einen kopfschüttelnden Kommentar: „Theorie ist das eine, Gegenwind das andere.“
Die Zahlen sprechen für sich: Von 18 Versuchen, sich auf der Cipressa abzusetzen, wurde nur einer in den vergangenen zehn Jahren belohnt – und das bei Windstärke zwei. Bei Stärke vier oder mehr, wie für Samstag gemeldet, sinkt die Erfolgsquote auf null.

Pogacars letzte chance, bevor das monument zu einem albtraum wird
Kein Rennen nagt so sehr an seinem Selbstbild wie Sanremo. Zehn Monument-Siege hat er, aber dieser eine fehlt. Sein Trainer Gorazd Štangelj verrät: „Wir haben die letzten drei Wochen nichts anderes getan, als den Wind auf dem Poggio zu simulieren.“ Ein verstecktes Detail: Die letzten 500 Meter des Anstiegs sind nach Südwesten ausgerichtet – exakt die Richtung, aus der am Samstag eine Bö von 35 km/h weht. Wer da nicht in der Lage ist, in 15 Sekunden von 45 auf 65 km/h zu beschleunigen, wird eingefangen.
Um 9.11 Uhr rollt das Feld in Via della Chiesa aus. Um 17.16 Uhr wird sich entscheiden, ob Pogacar endlich den Mythos bezwingt – oder ob Sanremo auch 2026 seine Nemesis bleibt. Merckx’ Prognose ist knapp: „Wenn er den Poggio in der 17-Minuten-Marke rauffährt, gewinnt er. Schafft er 17:30, gewinnt van der Poel. Alles andere ist Luft.“
