Clásico ohne titel-poker: real madrid reist bloß noch zum prestige-duell
Barcelona kann am Samstag im Camp Nou die Meisterschaft perfekt machen – und genau das will Real Madrid verhindern. Ohne Mbappé, ohne Modrić, ohne jede Chance auf die Liga bietet das 254. Clásico nur noch ein Motiv: reine Ehre. Trainer Álvaro Arbeloa schickt trotzdem eine Startelf voller Stars, die ein Statement setzen soll.
Courtois kehrt nach 54 tagen zurück
Thibaut Courtois steht zum ersten Mal seit dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Manchester City (4. März) wieder zwischen den Pfosten. Die Knieprobleme sind behoben, die Nervosität bleibt – ein Fehler würde die Titelfeier der Catalans sofort entfachen. Vor ihm bilden Antonio Rüdiger und der aufstrebende Dean Huijsen ein Duo, das in den letzten Wochen die beste Saisonleistung ablieferte. Links hinten setzt Arbeloa auf Fran García, weil Ferland Mendy weiterhin ausfällt.
Die Mittelfeld-Achter ist ein Mix aus Wiedergängern und Dauerbrennern. Aurélien Tchouaméni räumt vor der Abwehr auf – ein klares Signal, dass der Franzose trotz jüngster Kritik nicht in Ungnade gefallen ist. Daneben darf Eduardo Camavinga nach vier Wochen Bank endlich wieder von Beginn an glänzen. Jude Bellingham übernimmt die Spielgestaltung, bereitet vor, trifft selbst. Sein Siegtreffer im Hinspiel (1:0) ist Madrids letztes Clásico-Highlight. Rechts außen bekommt Trent Alexander-Arnold seinen ersten Clásico-Einsatz seit seinem Wechsel vom FC Liverpool; er spielt sich mit Vorlagen in die Geschichtsbücher oder landet in den sozialen Memes.

Gonzalo garcía bekommt die mbappé-rolle
Im Sturm fehlt Kylian Mbappé – Muskelfaserriss. Stattdessen rückt der 21-jährige Gonzalo García, der im Januar beim 5:2-Cup-Sieg gegen Barça bereits traf. Neben Vinícius Júnior, der nach seinem Doppelpack gegen Espanyol wieder in Topform ist, soll er die Abwehrreihe von Hansi Flick dehnen. Brahim Díaz komplettiert die offensive Dreierreihe; seine Dribblings könnten in einem temporeichen Spiel den Unterschied machen.
Die Statistik spricht gegen Madrid: Seit 15 Liga-Spielen ist Barcelona ungeschlagen, der Vorsprung beträgt elf Punkte. Trotzdem wäre ein Sieg mehr als nur ein Trostpflaster – er würde die Katalanen zwingen, die Meisterfeier mindestens eine Woche zu verschieben. „Wir wollen nicht ihre Party sein“, sagte Arbeloa in der Pressekonferenz. „Wir wollen ihre Party platzen lassen.“
Für den 42-jährigen Coach ist das Duell auch ein persönlicher Test. Die Woche war geprägt von Gerüchten über interne Spannungen, nachdem Präsident Florentino Pérez die Saison als „enttäuschend“ bezeichnete. Ein Sieg im Camp Nou würde Arbeloa Luft für die restlichen Spieltage und die Planung der nächsten Saison verschaffen. Die Frage ist nur, ob die Motivation reicht, wenn der Titel längst verloren ist.
Anpfiff ist um 21.00 Uhr MESZ, die Arena wird kochen. 97.000 Menschen feiern entweder den 28. Meistertitel ihrer Mannschaft – oder erleben, wie Real Madrid die Krone noch einmal hinauszögert. Eines ist klar: Selbst wenn die Liga entschieden ist, ein Clásico ohne Einsatz gibt es nicht. Ehre ist eben doch kein leeres Wort.
