Bernal zurück an der spitze: giro 2026 spürt seinen alten biss

175 Kilometer zwischen Plovdiv und Sofia, drei Flüchtlinge, ein deutscher Tudor-Profi in Rosa-Verfolgung – und Egan Bernal auf Position drei, erstmals seit 1.805 Tagen wieder oben in einer Grand-Tour-Gesamtwertung. Der Giro donnert durch Bulgarien, als wäre die Pause nie gewesen.

Ein sprint, der die flucht erstickt

Manuele Tarozzi, Alessandro Tonelli und Diego Pablo Sevilla bissen sich 150 Kilometer lang auf drei Minuten Vorsprung fest. Die Zielkurve auf den Sofioter Kopfsteinpflaster kam, der Wind drehte – und Paul Magnier jagte mit 72 km/h über die Letzten 200 Meter. Zweiter Giro-Sieg für den Quick-Step-Franzosen, Milan und Groenewegen schaufelten sich noch aufs Podest. Die Flucht? Verschluckt, 28 Sekunden vor dem Zielstrich.

Hinter dem Hexensprint herrschte Stille bei den Klassementfahrern. Kein Sekundverlust, dafür aber ein Kracher in der Favoritenliste: Adam Yates stieg mit schmerzender Schulter aus, UAE verliert innerhalb von 48 Stunden auch Soler und Vine. Das Team, das vor zwei Wochen noch mit drei Kapitänen plante, reist mit einer Notbesetzung nach Italien.

Bernal rechnet anders

Bernal rechnet anders

Zipaquirás Liebling rollte als 116. durchs Ziel – gleiche Zeit, gleicher Biss. Vier Sekunden fehlen zum Überraschungsleader Guillermo Thomas Silva, dem Uruguayer, der niemandem auf der Rechnung stand. Florian Stork hält dank Bonifikationen die zweite Reihe warm, Thymen Arensman und Giulio Ciccone lauern schon mit sechs Sekunden Rückstand. Dahinter: Einer Rubio, Kolumbiens zweite Karte, nur zehn Sekunden hinter Rosa.

Die Zahlen sind klein, die Botschaft riesig. Bernal war 2021 in Mailand der jüngste Giro-Sieger der Geschichte, dann folgten Sturz, Metallschienen, Monate auf dem Rolltrainer. Jetzt, 1.805 Tage später, trägt er wieder das Rosa-Podium im Nacken – und Jonas Vingegaard bereits zehn Sekunden hinter sich.

Italia wartet, die berge auch

Italia wartet, die berge auch

Morgen ruht das Feld, danach beginnt das echte Spiel. Die Etappen nach Terni und Foligno locken mit kurzen, scharfen Anstiegen, ab Samstag schickt der Giro die Gruppen auf 2.000 Höhenmeter. Bernals Ineos hat Numbers-Vorteil, doch die Quick-Step-Expresszüge um Magnier beweisen: Wer zögert, wird verschlungen.

Die Kameras sind abgekühlt, die Adrenalinwerte nicht. Kolumbien feiert zwei Fahrer in Schlagdistanz zur Maglia rosa, Deutschland schielt mit Stork aufs nächste Bonifikationsrennen – und der Giro? Der flüstert schon wieder: Asphalt gerissen, Träume offen.