Podolski sieht karl auf podolski-pfaden – warnt aber vor hype

Lukas Podolski kennt das Gefühl, mit 19 Jahren schon die ganze Nation auf den Schultern zu tragen. Jetzt schickt er eine Kampfansage an alle, die Lennart Karl schon zum nächsten Podolski erklären: „Er ist noch ein bisschen unreif – und das ist gut so.“

20 Jahre nach lukas’ wm-coup: der nächste juniorspieler mit dampf

Am 6. Juni 2004 lief Podolski zum ersten Mal für Deutschland auf. Zwei Jahre später krönte ihn die FIFA in Berlin zum besten jungen Spieler des Turniers. Genau 20 Jahre später steht ein Flügelstürmer bereit, der dieselbe Mischung aus Rashness und Spielfreude verspricht: Lennart Karl, 18, Bayern-Münchner, gerade gegen die Schweiz und Ghana aufgefallen.

Podolski war live im Stadion, beobachtete, wie Karl die Außenbahn entlangrauschte und die gegnerischen Verteidiger wie Slalomstangen umtanzte. „Er macht das Besondere auf dem Platz, man guckt ihm einfach gerne zu“, sagt der 130-fache Nationalspieler nach der Medienrunde in Frankfurt. Dann kommt aber das große Aber – und das spricht aus Erfahrung.

Die unreife ist kein makel, sondern der beste lehrmeister

Die unreife ist kein makel, sondern der beste lehrmeister

„Klar ist er noch ein bisschen unreif und unerfahren, aber das ist normal. Das war ich auch“, erinnert sich Podolski an seine eigene Lehrzeit. „Ich habe durch Fehler gelernt, durch Niederlagen, durch morgendliche Einheiten, bei denen mir die Knie zitterten.“ Seine Message an Bundestrainer und Co.: „Lasst ihn Fehler machen. Nur so wird aus dem Rohdiamanten ein echter Edelstein.“

Bayern München sieht das offenbar genauso. Karl trainiert regelmäßig mit der Profi-Mannschaft, kam in der Hinrunde schon zu Kurzeinsätzen. „Sich dort mit 18 durchzusetzen, zeugt von Charakter“, stellt Podolski fest. „Die Jungs vom Staff wissen, was sie tun. Dennoch: Er braucht Zeit, keine Gala-Auftritte alle drei Tage.“

Deutschland versteckt seine talente nicht mehr im keller

Deutschland versteckt seine talente nicht mehr im keller

Podolski schwelgt nicht nur in Erinnerungen. Er sieht eine echte Trendwende beim DFB. „Früher haben wir Talente versteckt wie Geheimrezepte. Heute bekommen sie Matches gegen Top-Gegner, Flugtickets und Medialehrgänge.“ Die Zahlen sprechen für sich: Seit Juli 2025 hat die A-Nationalmannschaft 14 Debütanten gesehen – so viele wie nie zuvor innerhalb eines Kalenderjahres.

Lennart Karl ist Teil dieser Offensive. Gegen Ghana dirigierte er das rechte Mittelfeld, gegen die Schweiz schoss er das 2:1-Siegtor. Sein Marktwert stieg innerhalb eines Monats von 3,5 auf 8 Millionen Euro. „Solche Sprünge kannst du dir als 18-Jähriger selbst nicht erklären“, sagt Podolski. „Deswegen ist es wichtig, dass jemand auf ihn aufpasst.“

Die nächste stufe: wm 2026 in den usa

Die Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko rückt näher. Bundestrainer Julian Nagelsmann will mindestens drei Jungprofis mitnehmen, um den Umbruch zu zementieren. Karl gilt als Kandidat Nummer eins auf der Liste. „Wenn er so weitermacht, ist er dabei“, sagt Podolski. „Aber er soll nicht der neue Podolski werden. Er soll der erste Lennart Karl sein.“

Podolski selbst spielt weiterhin in Polen für Górnik Zabrze, sammelt Tore und Erfahrung. „Ich bin kein Mentor, der den Jungen die Ohren vollschwafelt. Ich erzähle nur, wie es war, als ich in seinem Alter war.“ Dann lacht er und zieht die Kappe tiefer in den Nacken. „Der größte Trick ist, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Das habe ich auch erst mit 23 kapiert.“

Die Botschaft ist klar: WM-Ticket oder nicht – Karl soll sich nicht von Statistiken oder Vergleichen jagen lassen. „Wenn er spielt, soll er rausgehen und einfach Fußball spielen. Den Rest erledigt der Rasen schon“, sagt Podolski. Die deutsche Fußball-Legende blickt auf die Uhr. „Training ruft. Lennart weiß, wo er mich findet, wenn er Fragen hat. Aber erst mal soll er schlafen – morgen wartet die nächste Drilleinheit.“

Die Zukunft kann kommen – mit oder ohne Reifegrad.