Planica-finale: prevc jagt heimsieg, dsv-adler hoffen auf verspäetes glück

Die Saison kippt in Slowenien. Nach 30 Weltcupspringen, zwei Flug-Wochenenden und unzähligen Stunden im Kopfwind steht für die Männer ein letztes Mal die Anlaufspur in den Wolken bereit. Sonntag, 13.30 Uhr, Letalnica: Wer die Kugel zieht, darf sich elf Sekunden lang schwerelos fühlen – und vielleicht mit dem letzten Sieg in die Sommerpause rennen.

Domen prevc spürt den druck der eigenen kulisse

Sein Freitag-Sieg war kein Zufall, sondern ein Statement. 239 m, neue Schanzenrekord, 20.000 Slowenen, die den Namen des 22-Jährigen bis in die Karawanken hallen ließen. Für Prevc ist das Finale kein Nebensatz, sondern eine offene Rechnung: Er will vor heimischem Publikum die rote Riesentorwand knacken und die Saison mit derselben Lautstärke beenden, mit der sie begann.

Die Konkurrenz schaut nicht mehr verwundert, sondern mit kalkuliertem Respekt. Stefan Kraft schraubt die Flugphasen, Timi Zajc poliert die Landeanflüge, Peter Prevc flüstert seinem Cousin vom Podest aus Tipps zu. Die Slowenen haben die Taktik offengelegt: Sie wollen den Sieg zuhause behalten – und die Deutschen dabei in die Quere kommen.

Dsv-adler: späte form, späte chancen

Dsv-adler: späte form, späte chancen

Andreas Wellinger schmunzelte nach dem Probedurchgang. „Endlich wieder Gefühl in den Ski“, sagte er und meinte damit nicht nur die 232 m vom Freitag. Der Oberstdorfer hatte Monate mit Seitwind, mit Material- und Kopfproblemen. Nun, da die Saison fast vorbei ist, scheinen sich die Turbulenzen gelegt zu haben. Gleiches gilt für Karl Geiger, der nach seinem Kreuzbanddrama erst zögerlich, dann immer sicherer die alte Sprungparabel fand.

Doch die Medaillen sind längst verteilt. Die Gesamtweltcup- Trophäe wandert nach Oslo, die Nationenwertung ist entschieden. Was bleibt, ist der Stolz, sich in der letzten Runde nicht verstecken zu müssen. Philipp Raimund wird trotz seiner Planica-Schwäche angreifen, Pius Paschke will die Top-Ten-Reihe knüpfen. Die deutsche Delegation reist ohne Favoritenrolle, aber mit dem Selbstbewusstsein, das entsteht, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.

Die letalnica fordert ihr tägliches opfer

Die letalnica fordert ihr tägliches opfer

Die Schanze in Planica ist kein Bauwerk, sondern ein meteorologisches Eigenleben. Windböen um 30 km/h, Thermik, die die Flugphase um fünf Meter streckt, und eine Landehangneigung, die Knie und Selbstvertrauen gleichermaßen auf Biegeprobe stellt. Wer hier gewinnt, muss nicht nur weit fliegen, sondern auch die Unwägbarkeiten schneller berechnen als seine Konkurrenten.

Die Statistik spricht gegen die DSV-Adler: seit 2019 kein deutscher Sieg in Planica. Die Realität aber lehrt, dass Springen in der Letalnica oft jene belohnt, die sich trauen, die Absprungkante um Millisekunden zu früh zu verlassen. Genau diese Mischung aus Risiko und Routine haben Wellinger und Geiger in den letzten Trainingstagen entwickelt.

So verfolgen sie den schlussspurt live

So verfolgen sie den schlussspurt live

Das ZDF übernimmt die Übertragung ab 13.15 Uhr, Eurosport startet eine Viertelstunde früher. Wer flexibel ist, schaltet bei discovery+ oder DAZN ein, wo parallel zur Hauptrunde Statistiken und Flugkurven in Echtzeit eingeblendet werden. Die Sport1-App liefert ab 12.45 Uhr einen tickerschnellen Liveticker mit Winddaten und Zwischenwerten – praktisch, wenn die Fernbedienung mal wieder spurlos verschwindet.

Für die Athleten ist das Finale ein Schlusspunkt unter ein Jahr, das länger war als je zuvor. Für die Zuschauer ist es die letzte Gelegenheit, sich eine Portion Flugkunst zu gönnen, bevor der Schnee schmilzt und die Skispringer in den Trainingslagern von Ramsau und Vikersund die ersten Sommersprünge üben.

Planica wird wieder brüllen. Und vielleicht – nur vielleicht – schlägt am Ende doch ein deutscher Adler tiefer in die Thermik als erwartet. Denn wer am letzten Tag der Saison fliegt, der fliegt ohne Netz. Das reicht für einen Grund, hinzuschauen.