Pirovano zerbricht den fluch: 29 top-10-plätze, jetzt endlich sieg

1:21,40 Minuten haben Laura Pirovano sieben Jahre Schulterzucken abgenommen. Mit diesem Zwölf-Hundertstel-Vorsprung vor Emma Aicher riss die 27-jährige Trentino in Val di Fassa den Knoten – und die erste Weltcup-Siege ihrer Karriere ins Ziel.

Der tag, an dem alles passte

29 Mal war sie seit 2015 unter den besten Zehn, elf Mal unter den besten Fünf, zweimal unter den besten Drei – ohne je den Stockerl zu berühren. „Heute ist alles herrlich“, sagte sie nach der Abfahrt, das Lächeln so breit wie die Piste. Die Kolleginnen umarmten sie, selbst die Konkurrentinnen aus dem Weltcup-Zirkus. „Wir sehen uns jede Woche, wir kennen unsere Geschichten. Heute haben alle mitgefiebert.“

Die Geschichte kennt jeder im Kasten: Kreuzbandriss 2018, Meniskus, neun Monate Pause, dann der lange Weg zurück. Pirovano hatte sich ein Bild gemalt, statt sich ausmalen zu lassen: Sie trainierte mit Videoanalysen bis zum Erbrechen, studierte ihre Linien, baute sich unter Wahrnehmungstraining eine eigente Psychologie. „Der Kopf ist alles“, sagt sie. „Technik ohne Kopf ist ein Schneeball im Sommer.“

Windsurf, apnoe, piano – das leben neben der piste

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Zwischen den Rennen surft sie im Mittelmeer, taucht 20 Meter ab und spielt abends Chopin auf dem alten Flügel daheim. „Es gibt nicht nur Schnee“, erklärt sie ihre Multitasking-Sehnsucht. Das half, als der Weltcup nach der Pandemie wieder losraste, sie aber stets die Zielgerade verpasste. Dreimal war sie Vierte, zweimal Fünfte – und blieb die ewige Braut.

Jetzt ist die Braut zur Königin gekrönt. 1.050 Weltcup-Punkte sprangen heraus, Rang sieben im Gesamtklassement – ein Sprung, der vor allem eins bedeutet: Olympia 2026 in Mailand-Cortina ist kein Traum mehr, sondern ein Plan. „Ich will keine Träume mit Rätselzeichen“, sagt sie. „Ich will sie mit Punkt und Komma.“

Die nächste Abfahrt folgt am Samstag in La Thuile. Pirovano wird wieder Startnummer 13 tragen – ihre Lieblingszahl, weil sie für sie kein Pech, sondern Programm ist. Wer sie fragt, ob der Druck nun größer wird, bekommt ein Achselzucken. „Druck ist ein Luxus“, sagt sie. „Den kann ich mir endlich leisten.“