Pirovano rast mit triple-sieg kvitfjell-kristall und lässt rädler vor heimpublikum verzweifeln
Die Skiwelt mutierte am Samstag zum Theater des Unwahrscheinlichen: Laura Pirovano, bis dato eine Randnotiz im Weltcup-Regelwerk, fegte in Kvitfjell mit der dritten Abfahrtsschlacht in Serie die Kristallkugel ab, während Ariane Rädler vor norwegischem Publikum vier Hundertstel vor dem eigenen Lebenslauf stand – und hinterher nicht mal mehr die Stimme fand.
Rädlers albtraum in 0,04 sekunden
Die Vorarlbergerin war schneller als je zuvor: 2:21,87 Minuten. Es reichte nicht. Die Podeststufen belegten eine Olympia-Goldträgerin (Breezy Johnson, +0,15) und die deutsche Hoffnung Kira Weidle-Winkelmann (+0,25), doch Rädler verpasste die Fototafel um einen Gedankenblitz. „Vier Hundertstel? Das ist nichts, das ist ein Atemzug“, sagte sie, während ihre Ski schon wieder in den Transportbehälter wanderten. Die Zuschauer am Streif-ähnlichen Hang applaudierten dennoch, weil sie spürten: Hier war jemand an der Grenze zur Erlösung.
Pirovano war schon vor dem Start auf Platz eins zugelaufen, hatte sich aber nie auf Platz eins der ewigen Liste geschrieben. Die 28-jährige Italienerin hatte vor drei Wochen in Val di Fassa erst ihre ersten beiden Weltcup-Siege überhaupt gefeiert. Nun schraubte sie die Serie auf drei, holte sich die Disziplinenwertung und katapultierte sich damit in die Liga der Unverhofften. Federica Brignone, ihre Landsfrau, hatte zuletzt 2020 die Abfahrts-Kugel geholt – nun folgte Pirovano, ohne dass sich das italienische Fernsehen einen Sonderbeitrag ausgegraben hätte.

Aicher hält shiffrin-druck auf sparflamme
Deutschlands Jungstar Emma Aicher fuhr mutig, landete als Fünfte und damit direkt hinter Rädler. 95 Punkte trennen sie noch von Mikaela Shiffrin im Gesamtweltcup, drei Rennen sind es. Die Rechnung ist simpel: Sie muss gewinnen, Shiffrin darf nicht besser als Vierte werden. Die US-Amerikanerin spielte in Kvitfjell erneut Poker: Sie fuhr nur acht Zehntel langsamer als Pirovano, reichte das für Rang sieben. „Ich muss nicht riskieren, ich muss nur rechnen“, sagte sie – und schob sich die Skibrille wieder über das Lächeln.
Die österreichische Abfahrts-Königin der Vorsaison, Cornelia Hütter, wurde Sechste. Die Krone von 2023/24 rutschte ihr vom Kopf, doch sie nahm es mit der Souveränität einer Frau, die weiß, dass Kristall glänzt, aber auch splittert. Nina Ortlieb und Mirjam Puchner folgten außerhalb der Top Ten. Die ÖSV-Damen verabschieden sich damit aus dem Saisonfinale ohne Podest, was in der Heimat als kleiner Kulturschock durchgeht.
Die Abfahrtssaison ist vorbei, das nächste Kapitel heißt Riesenslalom. Wer aber denkt, dass Pirovano nun zur Dauerbrennerin avanciert, sollte bedenken: In ihrer Karriere stehen drei Siege und sonst nichts. Drei Treffer, ein Kugel. Manchmal reicht das, um für immer im Gedächtnis zu bleiben.
