Pidcock stürzt in schlucht – sein team merkt nichts
Ein Sturz, keine Kameras, kein Team im Rücken: Thomas Pidcock rutschte auf der fünften Etappe der Katalonien-Rundfahrt in eine Schlucht – und musste sich selbst retten.
Kein hahn krähte, als der olympische mtb-champion abseits der livebilder verschwand
Die Szenerie war absurd. Während das Feld bei „Vuelta Catalunya“ über die Asphaltbande jagte, irrte Pidcock zwischen Felsbrocken und Dornengestrüpp umher. „Ich hab noch mein Sprechfunkgerät gehabt, sonst wäre ich heute noch da unten“, sagt er später mit einem schiefen Grinsen. Die Verbindung funktionierte, aber niemand reagierte. Erst als der Brite sein Ersatzrad aus dem Teamwagen zog, begriffen die Mechaniker, dass ihr Fahrer seit Kilometern fehlte.
Die Ursache klingt lapidar: Flasche gezogen, Kurve verschlafen, Vorderrad weg. „So ein Fehler passiert im Wintertraining auf vereister Waldstraße, nicht bei 70 km/h auf Tarmac“, sagt ein Teammanager. Pidcock selbst spricht von einem „Ninja-Crash“ – blitzschnell, lautlos, unsichtbar. Die Mediziner attestieren ein paar Schürfwunden, nichts Dramatisches. Er schwingt sich wieder aufs Rad, verliert fast eine halbe Stunde, kreuzt das Ziel ab. Job erledigt, dachte man.

Über nacht schwillt das knie – samstag fällt er aus
Doch Körper lügen nicht. Was zuerst wie ein harmloser Bluterguss aussah, entwickelte sich binnen Stunden zu einem Ballon. „Ich wachte auf und konnte das Bein kaum beugen“, sagt Pidcock. Die Ärzte diagnostizieren ein Traumbakerzyst-Vorbild, sprich: Gelenkflüssigkeit, die sich in die Weichteile drückt. Start elf? Fehlanzeige. Stattdessen Eis, Kompression, Physiotherapie. Sein Blick richtet sich bereits auf die Ardennen-Klassiker, doch die Uhr tickt.
Der Rückschlag kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt. In einem Jahr ohne Weltmeisterschaft im Mountainbike wollte Pidcock auf asphaltierten Wäldern beweisen, dass sein Olympiasieg keine Eintagsfliege war. Jetzt droht ihm das Frühjahr zu entgleisen. „Ich brauche fünf Tage Ruhe, dann sehen wir weiter“, sagt er. Die Ironie: Der spektakulärste Sturz der Saison bleibt unfilmiert – und wird trotzdem seine Karriere beeinflussen. Seine Konkurrenten jedenfalls wischten sich den Staub ab und jagten weiter Richtung WorldTour-Punkte. Pidcock blieb zurück – mit einem Knie wie einem Luftballon und einer Geschichte, die sich kein Drehbuchautor ausdenkt.
