Peugeot-40-jahres-chaos: 8,4 sekunden spalten sieg und herzschlag
Ein Schauer peitscht über die Bergstraßen von La Nucía, und die 12 Peugeot 208 Rally4 klingen wie ein Chor aus Turbo-Stimmen. Drei Fahrer – Miguel García, Pablo „Pistolo“ Fernández, Javier Cañada – wechseln sich die Bestzeiten ab, als gäbe es kein Morgen. Nach 10 Specials und zwei Tagen Dauerfeuer liegt am Ende nur ein Autolänge zwischen Triumph und Frust: 8,4 Sekunden entscheiden über den 40. Geburtstag des Desafío Peugeot.
Valencia klaut asturien den spaß
García, Letztjähriger Vizemeister der Peugeot Rally Cup Ibérica, schwimmt im Regen der Vormittagsrunde formelhaft davon. Mittags führt er, die Crew jubelt schon. Doch die zweite Passage über den 26 Kilometer langen ‚Tárbena‘-Trakt raubt ihm die Reifen und die Nerven. „Pistolo“ Fernández, der hier im November schon gewann, nutzt das Moment, attackiert, verliert dann wieder Luft. Letzte Prüfung, letzter Biss: der Asturier sprintet sich noch auf Rang zwei vorbei, Cañada muss sich mit Platz drei begnügen. Der kleine Zeitunterschied spiegelt den Wahnsinn wieder, der auf spanischem Asphalt passiert.
Die Boxengasse kocht. Mechaniker tauschen Bremsbeläge, während Streckenposten mit GoPros die Gesichter der Piloten einfangen – ein Kurzfilm voller Adrenalin, produziert von Peugeot selbst.

16 Jahre, ein scratch, ein ausrutscher
Abel Fernández sitzt noch in der Schule, hat aber schon einen Europacup im Autocross auf dem Schrank. Im Peugeot 208 Rally4 fegt der Kantabrier durchs Starterfeld und schreibt Geschichte: jüngster Träger eines Wertungsprüfensiegs in der 40-jährigen Historie der Monomarke. Dann rutscht er in der letzten Sonderprüfung in den Graben, die Karre bleibt unversehrt, die Zielankunft aber ausgeschlossen. „Rallye ist hart“, murmelt der Teenager, während er die Karte schwenkt – schon auf zur nächsten Veranstaltung.
Miquel Socias wird Vierter, ein Comeout nach Jahren Pause. Francisco Puertas, frischgebackener Doppel-Champion der Clio-Trophäen, zeigt, dass Frankreich nicht das Monopol auf aggressive Nachwuchsförderung hat. Emilio Criado komplettiert das Quartett der „Canteranos“, Peugeots eigener Talentschmiede, die weiterhin auf Rohdiamanten setzt statt auf teure Superstars.
Die Bilanz nach dem Auftakt: ein Hauch von Sekunden, ein Konto voller Storys. Die Saison ist jung, die Motoren warm – und der Löwe brüllt lauter denn je.
