Pavlovic zerbricht an eigener standardskala – bayern-juwel stolpert über ecuador

Die 1:2-Pleite gegen Ecuador schlägt nicht nur in den Tabellen, sondern auch in die Köpfe. Aleksandar Pavlovic, sonst Bayern-Metronom und Pass-Garant, sah aus wie ein Fremdkörper im Nationaltrikot. Eine Note 4,51 verpassten die Leser von Sport BILD – kein Feldspieler wurde schlechter bewertet.

Reif zerreißt die maske des shootingstars

„Spielt Bälle zum Gegner, wirkt überspielt, müde“, donnerte TV-Experte Marcel Reif in „Reif ist live“. Seine Analyse traf mitten ins Herz der Hoffnung, die der 22-Jährige nach dem Triple-Gewinn mit dem FC Bayern ausstrahlte. Als Reif Moderator Filip Thiel entgegnete, sei „die Saison für Bayern-Spieler immer lang“, schob Reif nach: „Ja, aber er ist noch jung. Schenken Sie ihm das Alter – momentan bringt er null weiter.“

Die Wortwahl war knallhart, doch sie spiegelte ein kollektives Erwachen. Wo Pavlovic zuletzt mit 93-prozentiger Passgenauigkeit glänzte, warfen ihm die Ecuadorianer Linien und Lücken vor die Füße. Dreimal verlor er den Ball in der eigenen Hälfte – zweimal führte es direkt zu gefährlichen Kontern. Eine Szene in der 68. Minute sagt alles: Pavlovic schlägt einen simplen Sechzehner-Pass in die Füße des Gegners, Havertz und Musiala diskutieren mit erhobener Stimme. Die Maske des kontrollierenden Spielmachers riss.

Nagelsmann steht unter druck, neuer auch

Nagelsmann steht unter druck, neuer auch

Bundestrainer Julian Nagelsmann (Note 4,96) und Torwart Manuel Neuer (4,54) landeten noch hinter Pavlovic – eine historische Tiefstufe für die Führungsriege. Nach dem Abpfiff schlurfte Nagelsmann wie ein Schuljunge, der die Hausaufgaben vergessen hat, über den Rasen. Seine Auswechslungen kamen zu spät, die taktische Lösung gegen Ecuadors hoch stehende Viererkette blieb aus. Die Frage, ob er überhaupt „noch den Zugriff“ habe, wie Reif es formulierte, hängt nun schwer über der Nationalelf.

Deniz Undav sprach im Mixed-Zone-Kreis aus, was viele dachten: „Die Einstellung stimmte nicht von der ersten Minute.“ Seine Worte trafen nicht nur Pavlovic, sondern ein Team, das sich selbst als Turnier-Mitfavorit sah. Die Zahlen sind gnadenlos: nur fünf der 14 Akteure mit Startelf-Einsatz lagen über der Note 4,0.

Am Montagabend droht im Sechzehntelfinale die nächste Konfrontation – wahrscheinlich gegen Paraguay. Für Pavlovic ist es die Stunde der Wahrheit. Entweder er findet zurück zur Präzision, die ihn in München zum Liebling der Fans machte. Oder er wird zur personifizierten Warnung, dass selbst das größte Talent einbrechen kann, wenn Kopf und Beine nicht synchron laufen. Die WM vergeht nicht – sie verzeiht.