Paula blasi flüstert noch, doch der ritt zum angliru brüllt geschichte
Die Stimme klingt wie nach zehn Runden durch den Boxring, doch das Lächeln ist makellos. Paula Blasi hat gerade die Vuelta Femenina gewonnen – als erste Spanierin überhaupt. Ihre Kehle trägt die Narben einer Nacht, in der ganz Pelkum schunkelte, die Mechaniker sangen und selbst der Dopingkommissar mitwippen musste.
Am angliru glaubte sie kurz ans aufgeben
„Ich dachte: Die Leute übertreiben“, erzählt sie. Dann kam die Wall des Angliru, 23 Prozent, Kettenblatt vorne, Ritzel hinten – alles zu groß. „Ich hatte kein Gang mehr, nur noch Tränen.“ Blasi weinte sich die letzten drei Kilometer nach oben, schob sich mit dem Gedanken, dass niemand überhole, „weil die anderen noch mehr leiden“. Am Ziel war die Geschichte geschrieben, die Stimme hinüber.
Die Nacht danach nannte sie „Etappe 8“. Anti-Doping, Siegerehrung, dreistündiger Busritt nach Bilbao, dann Cidra und ein „kleiner“ Ausflug in die Altstadt. „Nur ein Tag zum Durchatmen“, sagt sie. „Aber wer nur trainiert, ohne sich die Sahnestückchen zu gönnen, verliert den Grund, warum wir das tun.“

Jetzt streckt schon der tour de france die finger aus
Movistar buhlt, DSM-Firmenpost auch. Blasi lacht verschwitzt: „Bis vor einer Woche hätte ich ‹Ich will die Vuelta gewinnen› gesagt – und alle hätten ‹Spinnerin› gemurmelt.“ Jetzt liegt der Beweis auf Papier. Ob sie 2024 nach Frankreich reist? „Schwierig, die Kader stehen.“ Aber sie schließt nichts aus. „Ich bin bereit, wenn sie mich rufen.“
Größer tickt die Uhr Richtung WM in Glasgow. „Die fehlt noch im Puzzle“, sagt sie. „Und danach? Paris-Roubaix. Ich will testen, ob eine 52-Kilo-Frau über Kopfstein fliegen kann.“
Pedalstoß ins herz eines landes
Am Flughafen Barcelona erkannte sie plötzlich Spanier, die sie zuvor nie gesehen hatten. „Paula, ¡enhorabuena!“ Sie habe geheult. „Unser Sport ist so simpel: Dreh die Kurbel – und bewege ein ganzes Land.“ Auch Pedro Sánchez schickte Grüße. „Da ist mir echt der Hut hochgeflogen.“
Sie will nicht der nächste Stern sein. Sie will die erste Paula Blasi, die auf dem Puigmal trainiert, 80 Mal pro Saison, Schnee oder Glut, und die sich ein Beispiel an Tadej Pogacar nimmt: „Warum soll ich mich zwischen Rundfahrt und Klassiker entscheiden?“
Die Stimme wird wieder kommen. Die Geschichte erst recht.
