Paralympics in norditalien: deutsches team boykottiert eröffnung – russland spielt doch mit

Die Paralympics in Norditalien beginnen – und schon vor der ersten Startnummer knallt es politisch. Das deutsche Team verzichtet auf die Eröffnungsfeier, weil Russland und Belarus trotz Krieg gegen die Ukraine offiziell mit Fahne einziehen dürfen. Ein Vorgang, der selbst im Paralympics-Kosmos als Tabubruch gilt.

Deutscher verband reagiert mit schweigen statt show

Statt 40 Sportlerinnen und Sportler in die Arena von Verona zu schicken, bleibt die deutsche Delegation im Hotel. Kein Aufmarsch, keine Welle, kein Lächeln für die Kameras. „Solidarität mit der Ukraine“ lautet die offizielle Begründung. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) will keine Fotos neben russischen Fahnen riskieren – und schickt stattdessen nur die Sportreferate zu den Wettkämpfen.

Die Konsequenz: Die 40 Athletinnen und Athleten treten ab Freitag in sechs Disziplinen an, aber ohne das olympische Feeling. Para-Ski alpin, Para-Biathlon, Rollstuhlcurling – alles findet statt, nur der gemeinsame Moment fehlt. Die Hälfte des Teams ist erfahren, die andere Hälfte erlebt ihr erstes Paralympics-Abenteuer.

Anna-lena forster jagt gold auf prothesen

Anna-lena forster jagt gold auf prothesen

Die Hoffnungsträgerin heißt Anna-Lena Forster. Die 27-Jährige aus Baden-Württemberg rast seit ihrer Geburt mit Beinprothesen die Piste hinunter. In Beijing 2022 holte sie zwei Goldmedaillen – diesmal will sie im alpinen Skilauf die Konkurrenz aus der Schweiz und den USA abhängen. Ihre Sekretärin: 85 Stundenkilometer im Slalom, trotz fehlender Unterschenkel.

Im Biathlon und Langlauf schielt Anja Wicker auf Edelmetall. Die 34-jährige sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl, schießt aber wie eine Scharfschützin. Bei den Männern sind Marco Maier, Sebastian Marburger, Nico Messinger und Lennart Volkert die heimlichen Geheimwaffen. Sie trainieren im bayerischen Oberstaufen – mit Selbstvertrauen und Sauerstoffmasken.

Para-eishockey debütiert mit deutschem schlitten

Ein Novum: Die deutsche Para-Eishockey-Mannschaft ist erstmals qualifiziert. Statt Schlittschuhe fahren die Spieler auf Aluminiumschlitten, mit kurzen Stöcken und vollem Körpereinsatz. Das Team um Kapitän Frank Rennhack trainiert seit Monaten in einer ehemaligen Lagerhalle in Dresden – ohne Bande, dafür mit Kampfgeist. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen zustoßen“, sagt Rennhack.

Die Medaillen werden in ZDF und ARD übertragen – aber ohne deutsche Fahnen bei der Eröffnung. Die Bilder werden trotzdem gezeigt: Sportler mit Behinderung, die sich durch Schnee kämpfen, während Politiker diskutieren. Die Paralympics sind kein Nebenprodukt der Olympischen Spiele – sie sind ein Spiegel der Zeit. Und dieser Spiegel zeigt gerade ein Riss.